Es gibt eine Autobahn, die jeden Tag den Namen des Künstlers ausspricht, ohne es zu wissen. Entlang der A4 in Italien, auf den vielen Fahrten, die Cavenago zur „Carrara“-Akademie der Schönen Künste in Bergamo führten, in den Jahren, als der Künstler noch in Italien lebte und arbeitete, kündigt eine Leuchtreklame eine beliebige Wegbeschreibung an, die Fahrzeit bis zu einem Ziel: Cavenago, Milano Est, zehn Minuten. „Cavenago“ ist nur ein Ort, der Name einer Gemeinde in der lombardischen Ebene, die jede Nacht von Tausenden von Scheinwerfern durchquert wird, die nicht anhalten, um ihn zu lesen.
Zunächst muss gesagt werden, dass dieses Foto einen seltenen Platz im Schaffen des Künstlers einnimmt. Das fotografische Repertoire von Cavenago ist in der Tat gering, fast marginal im Vergleich zum Rest seines Schaffens: Wenn die Fotografie in seinem Werk auftaucht, dann fast immer in dokumentarischer Funktion, im Dienste der Skulptur und der Installation, als Instrument zur Festhaltung von Notizen, die der Realisierung eines dreidimensionalen Werks dienen, und nicht, um selbst ein Werk zu sein. „Cavenago Milano Est 10 minuti“ ist hingegen eine der seltenen Ausnahmen, in denen sich die Fotografie von dieser untergeordneten Rolle emanzipiert und zu einem eigenständigen Werk wird, das sich auf seine eigene Autorenschaft stützen kann, ohne auf etwas anderes als sich selbst zu verweisen.
Und gerade in dieser Ausnahme, eingefangen auf einem Abschnitt einer italienischen Autobahn, den er fast schon aus Gewohnheit befährt (auf seinen früheren Fahrten von und zur Akademie in Bergamo), gönnt sich der Künstler eine subtile Ironie. Das Foto wurde mit einer Langzeitbelichtung aufgenommen, einer gedehnten Zeit, in der sich das Licht auf der Oberfläche der Platte absetzt, schichtet und ansammelt, wie es bei jeder Nachtaufnahme dieser Art ganz natürlich der Fall wäre. Doch hier reicht das Spiel mit der langen Belichtungszeit nicht aus, um alles zu erklären: Unter den Schriftzügen des Schildes sticht einer heller hervor als die anderen – der Name der Autobahnausfahrt, Cavenago, und genau an dieser Stelle fügt der Künstler eine kleine, kalkulierte Manipulation ein, eine Lichtintensität, die die Belichtungszeit allein nicht hervorgebracht hätte. Das Schild leuchtet also nicht von selbst: Es ist der Künstler, der es zum Leuchten bringt, mit derselben Diskretion, mit der er ein Werk signieren würde, ohne eine sichtbare Signatur anzubringen.
Es ist ein minimaler Eingriff, auf den ersten Blick fast unmerklich, der jedoch die Bedeutung des gesamten Bildes verändert: nicht mehr nur ein zufälliger Fund, ein Eigenname, der zufällig auf einem Straßenschild erscheint, sondern ein kleiner Akt stiller Aneignung, in dem sich der Künstler buchstäblich seinen Nachnamen zurückholt und ihn der Welt ein wenig leuchtender zurückgibt, als die Straße ihn geschrieben hatte.
Schließlich sind die auf dem Schild angegebenen zehn Minuten auch die Zeit eines flüchtigen Gedankens. Cavenago hält diesen Gedanken in einem isolierten und in seinem Schaffen fast einzigartigen Bild fest: die italienische Straße, die zu einem Ort führt, der nie gewählt wurde, der aber für einen Augenblick, in einem durch die Hand des Künstlers intensivierten Licht, so widerhallt, als wäre er es.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago