Es handelt sich um eine schwimmende Skulptur aus Cor-Ten-Stahl in Kugelform mit einem Durchmesser von ca. 120 cm, die für die Ausstellung „Mutazioni in difesa della natura“ konzipiert wurde und auf der Oberfläche des Luganer Sees platziert ist.
Die Form – eine perfekte Kugel mit symmetrischen Ausbuchtungen – erinnert unmittelbar an die Struktur einer Schiffsmine: ein Kriegsgerät, das hier unschädlich gemacht und auf ein reines Volumen ohne Angriffsfunktion reduziert wurde. Die auf dem Wasser isolierte Kugel ist Zeichen eines formalen Paradoxons: Ein Kriegsobjekt, das seiner zerstörerischen Kraft beraubt wurde, wird als visuelle Präsenz, als Körper im Raum, als primäre Form in ihrer Wesentlichkeit wiederhergestellt.
Die Installation ruft eine doppelte Bewegung hervor: Alarm und Beruhigung. Auf den ersten Blick erinnert die Kugel an die Bedrohung, an die tödliche Sprengvorrichtung; doch die Neutralisierung und die Wahl des Kontexts – ein See, eingebettet in ein neutrales Land und Sitz internationaler Friedensorganisationen – entschärfen die kriegerische Absicht und lenken den Blick auf eine andere Figur: die Kugelform als anthropomorphes und organisches Zeichen. Das Schweben auf der Wasseroberfläche betont diese Doppelnatur und lässt das Werk zwischen „Bedrohung“ und „ruhiger Präsenz“, zwischen historischer Erinnerung und natürlichem Element schweben.
Der Cor-Ten-Stahl, ein industrielles und langlebiges Baumaterial, verleiht der Form eine visuelle Robustheit, die im Kontrast zum vergänglichen Zustand des Schwebens steht. Die Kugel ist nicht verankert, sie ist nicht mit der Erde verbunden; sie unterliegt den Schwankungen des Wassers, den Veränderungen von Licht und Wetter. Diese Beziehung zur Seeoberfläche verwandelt die Skulptur in ein Medium der räumlichen Resonanz: Das Werk erlebt den Raum als Feld, nicht als statisches Objekt.
Wie in anderen Arbeiten von Cavenago erfüllt das Werk keine explizite Funktion und lädt auch nicht zu einer praktischen Nutzung ein: Seine Präsenz ist eine Frage. Die scheinbar einfache und konstruierte Form verweist auf eine doppelte Bedeutungsebene: Konflikt und Verteidigung, das bewaffnete Objekt und seine Entmystifizierung, die Spannung zwischen wahrgenommener Gefahr und kontemplativer Beruhigung.
„Protecziun da la patria“ schlägt somit eine kritische Suspendierung vor: Die Mine, ihrer tödlichen Funktion entzogen, wird zum Symbol eines neutralen Raums, der die Praktiken der Verteidigung und des Schutzes hinterfragt – nicht als militärische Geste, sondern als Form der Bewahrung und des Widerstands gegen Gewalt. Der Cor-Ten-Stahl, die Kugel und das Wasser bilden zusammen eine Skulptur, die eher mit Kontrasten und Aussetzungen als mit Lösungen arbeitet und dabei den Sinn selbst von „Schutz“ und „Heimat“ in einer von Konflikten und Migrationen geprägten Welt in Frage stellt.
L.B., 2022
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago