Der Titel greift einen Fachbegriff aus der Architektur auf: Unter „Superfetation“ versteht man einen nachträglichen Anbau nach Fertigstellung eines Gebäudes, einen nachträglichen Eingriff, der in der Bautradition als ästhetischer Makel angesehen wird – ein überflüssiges Element, das im ursprünglichen Entwurf nicht vorgesehen war. Cavenago wählt genau dieses Wort, um seinen Eingriff an einem der tragenden Pfeiler des in den 1950er Jahren erbauten Zwischengeschosses des Theaters zu beschreiben: eine parasitäre Ergänzung, die die vertikale Achse der Struktur umhüllt, ohne deren statische Funktion zu beeinträchtigen, aber auch ohne die architektonische Strenge um Erlaubnis zu bitten.
Das hinzugefügte Element ist eine Nockenwelle, ein mechanisches Bauteil, das in der Industrietechnik die gleichmäßige Drehbewegung einer Achse in eine hin- und hergehende Geradlinigbewegung umwandelt. Am Pfeiler angebracht, wird die Nockenwelle zu einem Volumen mit exzentrischer und abgerundeter Form, das sich auf Mannshöhe befindet und perfekt funktioniert: Ein einfacher Stoß seitens der Besucher reicht aus, um den Mechanismus in Gang zu setzen, der die Bewegung entlang der Achse der Säule überträgt und für die Dauer dieser Schwingung die Wahrnehmung des gesamten umgebenden räumlichen Gleichgewichts verändert.
Es handelt sich um ein Werk, das sich ganz natürlich in den gesamten Diskurs einfügt, den Cavenago zum Thema der architektonischen Stütze führt, hier jedoch mit einer zusätzlichen Wendung im Vergleich zu den Säulen auf Rädern aus
„A sostegno dell’Arte“. Dort wurde die Säule in ihrer Gesamtheit beweglich gemacht, theoretisch in der Lage, sich an einen anderen Ort zu bewegen, und verriet damit ihre tragende Funktion. Hier bleibt die Säule vollkommen unbeweglich und strukturell intakt: Nicht das tragende Element bewegt sich, sondern ein mechanischer Parasit, der sich daran festklammert, es zu seiner Drehachse macht und Bewegung nicht auf die Stütze selbst, sondern auf das überträgt, was sich wie ein funktionierender Auswuchs darauf abgelagert hat. Mit anderen Worten: Die Säule stützt weiterhin das Gebäude; doch wird sie gleichzeitig, wider Willen, zum unfreiwilligen Motor einer Bewegung, die ihr nicht eigen ist und die die Wahrnehmung der Betrachter verändert.
Die Geste des Besuchers, jener einfache Impuls, der nötig ist, um den Nocken zu betätigen, verwandelt das Publikum in Darsteller und zugleich in Zuschauer eines Ereignisses von stets unterschiedlicher Dauer, das niemals mit sich selbst identisch ist: ein relationales Prinzip, das wir bereits in
„Visita guidata“ wiederfinden, wo die private Geste eines Besuchers durch einen verborgenen strukturellen Mechanismus eine öffentliche Wirkung erzeugte. Auch hier entsteht die Bewegung nicht durch einen autonomen Motor, sondern durch den menschlichen Körper, der beschließt, mit dem Werk zu interagieren, wodurch jede Aktivierung zu einem einmaligen Ereignis wird, auch wenn die mechanische Vorrichtung immer dieselbe bleibt.
„Superfetazione a camme“ stellt somit, in den Worten Cavenagos selbst, vermittelt durch den Kommentar von Luigi Di Corato, die extreme Konsequenz eines Prozesses dar, in dem statische Elemente in bewegliche Elemente umgewandelt werden – ein Prozess, der sich durch seine gesamte Forschung zieht: nicht mehr nur das Denkmal oder die Säule, die in ihrer Gesamtheit instabil und beweglich gemacht wird, sondern die reale, historische und strukturell einwandfreie Architektur, die von einem kleinen mechanischen Organ besiedelt wird, das, ohne ihre Statik zu beeinträchtigen, jedes Mal, wenn jemand sie anschiebt, ihre wahrgenommene Unbeweglichkeit in Frage stellt.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago