Umberto Cavenago

Cyber, 2008

Stahl

29,7 × 22,5 × 21 cm

Mit freundlicher Genehmigung von Lara und Rino Costa, Privatsammlung
Mit freundlicher Genehmigung von Lara und Rino Costa, Privatsammlung

La forma della velocità nella condanna dell'immobilità

„Cyber“ geht direkt auf Senza titolo in A4 (2007) zurück: gleiche Größenordnung, gleiche Zugehörigkeit zu der Gruppe kleiner, für die Wand konzipierter Objekte, deren Räder den Boden nicht berühren, sondern an der vertikalen Wandfläche anliegen. Doch während sich Senza titolo in A4 darauf beschränkte, das reine Standardformat des Blattes (ein Quader mit regelmäßiger rechteckiger Grundfläche, dessen Proportionen genau dem bürokratischen Maß des A4-Blattes entsprechen) unverändert in Stahl umzusetzen, führt „Cyber“ eine präzise Verformung eben dieser Regelmäßigkeit ein.
Der Körper ist kein Quader mit konstantem Querschnitt mehr, sondern ein sich verjüngender Körper, der sich entlang seiner Ausdehnung zunehmend verjüngt, fast so, als wolle er ein aerodynamisches Profil andeuten. Es ist ein Detail, das den Sinn des gesamten Vorhabens verändert. Während Senza titolo in A4 in seiner geometrischen Strenge den rein administrativen und standardisierten Ursprung seiner Form bekundete, führt „Cyber“ in eben dieses Ausgangsmaß eine Anspielung auf Geschwindigkeit, Bewegung und Luftwiderstand ein: genau jene Eigenschaften, die ein echtes Fahrzeug besitzen müsste, um sich effizient fortzubewegen, und die hier reine formale Andeutung bleiben, da das Objekt, das mit an die Wand gedrückten Rädern an der Wand hängt, niemals wirklich die Aerodynamik erfahren kann, die seine Silhouette verspricht.
Schon der Titel „Cyber“ verstärkt diese Spannung zwischen Form und verweigerter Funktion. Er beschwört eine technologische, fast schon science-fictionartige Vorstellungswelt von „Cyber“-Geschwindigkeit und -Effizienz herauf, die das kleine Stahlobjekt in der Substanz widerlegt, indem es unbeweglich und aufgehängt bleibt – ein flinkes Profil, das zur Unbeweglichkeit an der Wand verdammt ist. Es ist dieselbe Logik der Diskrepanz zwischen Versprechen und Realität, die bereits bei „Gru“ zu beobachten war: ein Name, der eine Funktion verkündet, eine Form, die deren Effizienz suggeriert, und ein physischer Zustand, der Punkt für Punkt jede reale Möglichkeit dieser Leistung zunichte macht.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago
Privatsammlung
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Privatsammlung, Capriasca Schweiz
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Cyber
Privatsammlung, Capriasca, Schweiz
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