„Plinto“ fügt sich voll und ganz – wenn auch mit einem erheblichen Unterschied in Bezug auf Maßstab und Materialwahl – in das große Werk
„A sostegno dell’Arte“ ein, das Cavenago zwischen Ende der 1980er Jahre und den folgenden Jahrzehnten schuf. Chronologisch gesehen befindet es sich genau auf halbem Weg zwischen
den Berliner Säulen von „A sostegno dell’Arte II“ (1991) und der gigantischen
„Pilastro Crepadona“ (1999): ein Moment, in dem der Künstler, nachdem er mit dem monumentalen Maßstab und der auf dem Boden ausgebreiteten Form der
fünfzig Elemente von 1992 experimentiert hatte, erneut das Thema der Stütze hinterfragt und es abrupt auf die Dimension eines Tischobjekts, fast schon eines Haushaltsgegenstands, reduziert: 74 Zentimeter Seitenlänge, knapp 60 Zentimeter Höhe.
Der Sockel ist, architektonisch gesehen, das bescheidenste und zugleich notwendigste Element jedes Denkmals: die Basis, die man fast nie sieht, die aber alles ermöglicht, was darauf steht, indem sie das Gewicht des Denkmals auf den Boden überträgt. Es ist genau jener Archetyp, den Cavenago bereits mit den Säulen auf Rädern in Berlin in Frage gestellt hatte und den er Jahre später erneut ins Visier nehmen wird, indem er direkt in die Sockel realer Denkmäler wie den
Marzocco von Pietrasanta oder
den Löwen von Cittadella eingreift.
„Plinto“ nimmt diese Geste vorweg und verdichtet sie in ihrer elementarsten und isoliertesten Form: Hier gibt es nichts zu stützen, keine Statue, keinen Löwen, keine Säule, es gibt nur die Stütze selbst, die als einziges Thema des Werks präsentiert wird, entblößt von dem, was sie eigentlich tragen sollte.
Was „Plinto“ jedoch vom Rest der Familie unterscheidet, ist der gewählte Mechanismus der Destabilisierung. Während die Säulen von Berlin und Belluno auf Rädern ruhten, die – zumindest theoretisch – in der Lage waren, die gesamte Struktur an einen anderen Ort zu verlegen, sie in ein geografisches Anderswo zu verschieben, führt Cavenago hier eine einfache, darunterliegende Rolle ein, die zwar keine Flucht zulässt, aber eine Neigung erzeugt: Der Sockel rutscht nicht weg, er neigt sich in sich selbst, verliert die horizontale Ausrichtung, die seine eigene feierliche Funktion erfordern würde. Es handelt sich um eine subtile, aber entscheidende Variation des allgemeinen Themas der Serie: nicht mehr die Stütze, die entflieht, sondern die Stütze, die an ihrem eigenen Ort zusammenbricht und von innen heraus – durch Nachgeben statt durch Entfernen – die ihr zugewiesene Aufgabe verrät.
Auch das Material hebt sich vom Rest des Werkkomplexes ab: nicht mehr das industrielle verzinkte Blech der Pfeiler und Fliesen, sondern Edelstahl und Aluminiumguss, edlere Legierungen, fast wie bei einem Designobjekt oder einer kleinen Sammler-Skulptur. Es ist, als hätte Cavenago durch die Verkleinerung des Maßstabs des Eingriffs vom städtischen Denkmal zum Innenraumobjekt auch dessen materielle Ausdrucksweise verfeinern wollen, indem er die Reflexion über die instabile Stütze vom öffentlichen Raum – Plätze, historische Gebäude, Säulengänge – in den intimeren und konzentrierteren Raum des Ateliers oder des Schaufensters verlagert.
„Plinto“ zeigt somit, wie sehr das Thema der verratenen Stütze bei Cavenago jede mögliche Maßstabsebene des Werks durchzieht: von der sechs Meter hohen Berliner Kolonnade über den sechzehn Meter hohen Pfeiler des Palazzo Crepadona bis hin zu diesem kleinen Sockel aus Stahl und Aluminium, der, ohne etwas über sich zu stützen, sich lediglich neigt und in seinem einfachen seitlichen Sturz dieselbe strukturelle und konzeptuelle Fragilität, die die gesamte Serie „A sostegno dell’Arte“ stets in Szene gesetzt hat.
L.B., 2024
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago