Dieses zweite Werk, das im selben Jahr und am selben Ort wie Contenitore (con pietra squadrata) entstanden ist, stellt kein Duplikat dar, sondern dessen notwendige Umkehrung, die fehlende Hälfte einer Überlegung, die – um vollständig zu sein – auf beiden Seiten des Paares Natur/Kunst bis zum Ende durchdacht werden musste. Während bei „Contenitore“ mit dem behauenen Stein der Dialog zwischen zwei regelmäßigen Geometrien stattfand – dem Quader aus Blech und dem geschnitzten Travertinwürfel, beide mit rechten Winkeln, beide konstruktionsbedingt stabil –, so ersetzt Cavenago hier den quadratischen Block durch einen glatten Kieselstein, der aus einem Flussbett stammt: einen Stein, dessen Form nicht auf menschlichen Eingriffen beruht, sondern auf der äußerst langsamen Arbeit des Wassers, das im Laufe der geologischen Zeit jede Kante abgetragen und abgerundet hat.
Die Veränderung ist nicht nur materieller, sondern auch struktureller Natur. Der vertikale, geometrische Körper aus verzinktem Blech ruht mit seinem abgewinkelten Ende direkt auf dem runden Stein, und das gesamte Gleichgewicht des Werks hängt von diesem einzigen, kugelförmigen Auflagepunkt ab. Es handelt sich um einen Stabilitätszustand, der sich radikal von dem des Zwillingsbehälters unterscheidet: Dort bot der Travertinwürfel eine feste Basis, eine sichere Auflagefläche; hier garantiert die runde Form des Kiesels naturgemäß keine endgültige Verankerung; sie scheint, wenn überhaupt, eher eine Fluchtmöglichkeit als Halt zu bieten, ein Gleichgewicht, das stets kurz davor ist, in die Richtung zu zerbrechen, in die die Kugel rollen könnte.
In diesem scheinbar winzigen Detail verbirgt sich einer der fruchtbarsten Kernpunkte der gesamten zukünftigen Forschung des Künstlers. Wie Luigi Di Corato bemerkt hat, ist es gerade die Reflexion über diese Möglichkeit, die Statik der „Statue“, die in sich selbst einen Spielraum für Bewegung erahnt, die einen entscheidenden Teil der ersten Phase von Cavenagos Schaffen kennzeichnet: noch keine kinetische Ästhetik im eigentlichen Sinne, sondern eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten eines elementaren Archetyps der materiellen Kultur, des Rades, das hier nur durch Anspielung in der kugelförmigen Gestalt des Steins präsent ist. Als motorische Prothese wird das Rad hier zum ersten Mal als Instrument vorgestellt, das in der Lage ist, die Wahrnehmung der dreidimensionalen Skulptur selbst zu verändern: nicht mehr ein unbewegliches Objekt, vor dem der Betrachter in Kontemplation verweilt, sondern ein gefestigter und doch potenziell transportierbarer Raum, der eine der festesten Voraussetzungen der bildhauerischen Tradition – die Unbeweglichkeit des Werks als Bedingung für dessen Rezeption – von Grund auf untergräbt.
Gemeinsam betrachtet bilden die beiden „Contenitori“ von 1987 somit ein kleines theoretisches Diptychon: auf der einen Seite die vollkommene Stabilität, gewährleistet durch das Zusammentreffen zweier regelmäßiger Geometrien; auf der anderen Seite ein instabiles Gleichgewicht, das dem Berührungspunkt zwischen einer industriellen Oberfläche und einer natürlichen Form anvertraut ist, die bereits – in ihrer schlichten Rundheit bereits auf alles, was noch kommen wird: die Fahrzeuge, die Skulpturen auf Rädern, die gesamte Palette beweglicher Objekte, die schon bald das unverkennbarste Merkmal von Umberto Cavenago bilden wird.
L.B., 2018
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago