Castelponzone, Ortsteil von Scandolara Ravara, Provinz Cremona.
„Stranieri Ovunque“ entstand aus einer fast spontanen Geste heraus: Cavenago schuf das Werk unmittelbar nach seinem Besuch der Venedig-Biennale jenes Jahres, wo viele der in den Hauptpavillons gezeigten Installationen auf eine nebelhafte, theatralische Inszenierung setzten, die oft in der Inszenierung wirkungsvoller war als im Inhalt. Der Künstler übernimmt den Titel der Ausstellung, „Stranieri Ovunque“, nicht, um sich thematisch im engeren Sinne daran anzulehnen, sondern aus reinem konzeptuellem Vergnügen: Er behandelt ihn wie eine Zutat, die er entnimmt und auf seiner eigenen Palette wiederverwendet, gleich einem gebrauchsfertigen Pigment, das seines ursprünglichen kuratorischen Kontexts entkleidet und in eine völlig eigenständige Komposition eingebettet wird.
Die Installation selbst ist ein roter, mit einer Plane abgedeckter Anhänger, der von einem Elektroauto, einem Tesla, gezogen wird, auf dessen beiden Seiten die gelbe Sichel und der Hammer auf rotem Hintergrund prangen. Im Inneren des Anhängers erzeugt eine Nebelmaschine im Dauerbetrieb Rauch, der langsam aus den Ritzen der Plane dringt und den gesamten Raum in eine beständige Wolke hüllt. Es handelt sich um einen symbolischen Kurzschluss, der sich auf mehreren Ebenen gleichzeitig abspielt: Das Zugfahrzeug, Symbol par excellence für technologische Innovation und den zeitgenössischsten Kapitalismus, steht in offenem Widerspruch zu dem Emblem, das auf den Seiten des Anhängers abgebildet ist – dem historischen Symbol der internationalen Arbeiter- und kommunistischen Bewegung; und derselbe Rauch – ein szenografisches Element, das ironischerweise gerade aus der rauchigen Ästhetik der Biennale entlehnt wurde – hüllt dieses Emblem ein und macht es zugleich präsent und schwer fassbar, fest im Bild und zugleich in der Wahrnehmung aufgelöst.
In dieser Konstruktion liegt eine implizite Kritik an einer Welt, die historische Symbole als bloße Oberflächen behandelt, ohne sich die Zeit für eine ernsthafte Reflexion über ihre ursprüngliche Bedeutung zu nehmen. Sichel und Hammer sind heute in weiten Teilen der Welt ein automatisch dämonisiertes Symbol, das fast reflexartig mit den totalitären Regimen in Verbindung gebracht wird, die es übernommen haben, ohne dass dies jemals eine echte historische Auseinandersetzung mit seinen Ursprüngen, seinen Wandlungen und seinem vielfältigen und widersprüchlichen Erbe nach sich zieht. Cavenago will dieses Symbol weder feiern noch verurteilen: Er inszeniert es, umhüllt von Rauch, genau so, wie es heute in der öffentlichen Debatte behandelt wird – präsent, aber unfassbar, erkennbar, aber ohne diskursive Substanz, eine Ikone, die eher als Schein denn als Gegenstand kritischen Denkens fortbesteht.
Es ist kein Zufall, dass sich das Werk als mobiles, wanderndes Denkmal darstellt, das in der Lage ist, öffentliche und private Räume zu durchqueren, genau wie einst die Ideen und Kämpfe des 20. Jahrhunderts das Territorium mit derselben materiellen Dringlichkeit durchzogen. In dieser Hinsicht fügt sich „Stranieri ovunque“ nahtlos in Cavenagos gesamte Reflexion über das Denkmal und dessen Instabilität ein, von den Löwen in Cittadella und Pietrasanta bis hin zu den Säulen von „A sostegno dell’Arte“: Hier wird das Denkmal jedoch nicht durch die kritische Entfernung seines Sockels mobil gemacht, sondern es entsteht bereits beweglich, bereits gezogen, bereits an sich ein Objekt, das die feierliche Unbeweglichkeit der traditionellen Bildhauerei ablehnt und ein kontroverses historisches Bild durch die ebenso zeitgenössische und fließende Sprache des Rauchs und der einfachen Klebeaufkleber auf einer Transportplane wiedergibt.
Die Wahl des Ortes, Castelponzone, ein Dorf in der Provinz Cremona, das einst der handwerklichen Herstellung von Hanfseilen gewidmet war und heute vom Zerfall eben dieser Produktionsgemeinschaft geprägt ist, fügt eine weitere Bedeutungsebene hinzu: Der umherziehende Anhänger, beladen mit einem Symbol, das eine Arbeiterutopie versprochen und verraten hat, durchquert einen Ort, an dem eben diese Arbeitskultur gelebt und verloren wurde – in einem Kurzschluss zwischen lokaler industrieller Erinnerung und globaler ideologischer Erinnerung, den der Rauch einmal mehr umhüllt, ohne ihn jemals ganz aufzulösen.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago