1993 lud Max Mara im Rahmen des Projekts „Art & Fashion“, das in der Zeitschrift „Donna. International Fashion Magazine“ (Nr. 10, Edimoda, Mailand, Oktober 1993) mit einem Text von Angela Vettese veröffentlicht wurde, achtzehn Künstler ein, ihren ikonischen Mantel neu zu interpretieren.
Umberto Cavenagos Beitrag konzentriert sich auf ein scheinbar nebensächliches Detail: die Windschutzscheibe der Vespa.
Seit den 1960er Jahren wurde dieses Zubehör vor allem von denen genutzt, die jeden Morgen den Weg zur Arbeit auf sich nahmen – auch im Winter. Es war kein Designelement, sondern eine Schutzvorrichtung gegen Kälte, Regen und Wind. Es war das Zeichen einer notwendigen, alltäglichen, oft von Arbeitern geprägten Mobilität.
Auf diesem Fahrzeug ist ein kamelfarbener Mantel von Max Mara zu sehen, eines der Symbole italienischer Eleganz. Der weiche Stoff, die beige Farbe und der symbolische Wert des Kleidungsstücks gehören zu einer Welt, die weit entfernt ist von der, die eine alte Vespa heraufbeschwört, mit der man in den frühen Morgenstunden zur Fabrik fuhr.
Die Umgestaltung beschränkt sich jedoch nicht darauf, die Windschutzscheibe zu verkleiden. Fast schon mit einer hartnäckig funktionalen Logik wird der Mantel auch zur Herstellung einer Sitzbankabdeckung verwendet. So wie die Windschutzscheibe den Körper vor dem Wind schützt, verspricht der Sitzbezug, auch den direktesten Kontaktpunkt zwischen dem Arbeiter und dem Fahrzeug vor der Kälte zu bewahren. Der Luxus wird somit bis zur äußersten Konsequenz getrieben: das Gesäß des Arbeiters auf dem Weg zur Fabrik zu wärmen.
Gerade diese scheinbare funktionale Kohärenz macht das Werk paradox. Der Mantel erfüllt weiterhin seine Schutzfunktion, tut dies jedoch im unerwartetsten Kontext und verwandelt ein Symbol der Exklusivität in ein Accessoire für ein volksnahes Fortbewegungsmittel wie eine alte Vespa.
Das Werk verspottet weder den Luxus noch die Arbeit. Es zwingt sie lediglich dazu, im selben Objekt zu koexistieren, und zeigt damit, wie zerbrechlich soziale Bedeutungen sind. Es reicht aus, einen Mantel vom menschlichen Körper auf eine Vespa zu verlagern, damit sich sein symbolischer Wert radikal verändert: Was einst ein Symbol für Prestige war, wird zu einem unwahrscheinlichen Komfortelement für diejenigen, die der Kälte der Morgendämmerung trotzen, bevor sie die Fabrik betreten.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago