Umberto Cavenago

Superfetazione a camme, 2003

Holz und Gummi

180 × 125 × 120 cm

Collezione Nadia Ponci

Superfetazione a camme

Esposta alla Galleria Stefano Fumagalli, Bergamo, e nella mostra "Aerei" alla Galleria Comunale d'Arte Contemporanea di Ciampino, 2003.

Dies ist die zweite Fassung von „Superfetazione a camme“, die zwei Jahre nach der Version von 2001 für den Ridotto des Teatro Manzoni in Monza entstanden ist (Stahl, Holz und mittelkadmiumgelbes Acryl). Die Maße sind exakt dieselben, 180 × 125 × 120 cm, doch die Materialzusammensetzung ist völlig anders: Holz und Gummi anstelle von Stahl und Acryl, und vor allem ein Ausstellungskontext, der die Bedeutung des Werks radikal verändert.
Die Version von 2001 entstand als parasitäre Intervention an einem realen, bereits bestehenden architektonischen Element: einer der tragenden Pfeiler des in den 1950er Jahren erbauten Zwischengeschosses des Theaters, an dem sich die mechanische Kurve wie ein nachträglicher Anbau festklammerte – eine „Superfetation“ im wahrsten Sinne des Wortes. Die Säule war gegeben, historisch, strukturell; der Künstler beschränkte sich darauf, sie mit seinem eigenen Mechanismus zu besiedeln. Doch eine private Galerie wie die von Stefano Fumagalli in Bergamo oder ein Ausstellungsraum wie der in Ciampino bieten nicht dieselbe Art von architektonischem Element, das man in Angriff nehmen könnte: Es fehlt der Wirt, die historische Säule, an die man den Parasiten anbringen könnte.
Cavenago löst das Problem, indem er das gesamte Konstrukt von Grund auf neu aufbaut, nicht mehr als Eingriff in eine bestehende Architektur, sondern als eigenständiges und transportables Objekt: Das Holz übernimmt hier die Rolle, die zuvor der echten Säule des Theaters zukam, und dient als tragende Struktur, die vom Künstler selbst neu geschaffen wurde, während Gummi Stahl und Acryl bei der Herstellung des eigentlichen Nockens ersetzt, dem exzentrischen Mechanismus, der, angetrieben vom Ausstellungsbesucher, die Drehbewegung in eine Schwingbewegung umwandelt.
Es handelt sich um einen konzeptionell bedeutsamen Wandel: von einem ortsspezifischen Werk, dessen Existenz von einer realen historischen Architektur abhing, die es zu „besiedeln“ galt, hin zu einem tragbaren Werk, das in der Lage ist, eigenständig sowohl die Stütze als auch den Parasiten, der sie bewohnt, sowohl den Wirt als auch den Organismus, der sich darauf niedergelassen hat, nachzubilden. Gummi, ein weicheres Material, das unmittelbar mit der industriellen Welt der Dichtungen und Stoßdämpfer assoziiert wird, verleiht der Nocke zudem eine haptisch wahrnehmbare Textur, die sich von der kalten und glatten Oberfläche des Stahls unterscheidet und vielleicht besser geeignet für ein Objekt, das nun auf eigenen Beinen stehen muss, ohne die Stütze einer historischen Wand, an der es sich festhalten könnte.
Die beiden Entwürfe zeigen im Zusammenspiel einmal mehr, wie sehr für Cavenago das Konzept seiner ersten materiellen Verkörperung vorausgeht und diese überdauert: Die Idee der mechanischen Überfrachtung selbst, die als kritischer Eingriff in eine reale Architektur entstanden ist, wird hier als eigenständiges skulpturales Objekt neu formuliert, das, wo immer es ausgestellt wird, sowohl die Stütze, die feststehen sollte, als auch den Mechanismus, der sie verrät, in sich trägt.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago
Superfetazione a camme

Photo © A. Zambianchi, Simply.it

Galerie Stefano Fumagalli, Bergamo
Galerie Stefano Fumagalli, Bergamo
In secondo piano: "Sottiletta"
In secondo piano: "Sottiletta"

Photo © Bart Herremann

Ausstellung „Aerei“, Campi Cardinali Cavenago Grazzi. „d’AC“ Städtische Galerie für zeitgenössische Kunst Ciampino, 2003
Ausstellung „Aerei“, Campi Cardinali Cavenago Grazzi. „d’AC“ Städtische Galerie für zeitgenössische Kunst Ciampino, 2003

Photo © Alessandro Zambianchi


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