„Monocromo bianco“, 2005 – Öl auf Pietra Serena, 210 × 300 × 180 cm. Fondazione Arnaldo Pomodoro, Mailand; Officine Grandi Riparazioni, Turin; Fioretto Arte Contemporanea, Padua.
„Monocromo bianco“ wird in seinem technischen Datenblatt als mit Ölfarbe bemalter Steinblock aus „Pietra Serena“ beschrieben: ein Quader mit rechteckiger Grundfläche auf großen Rädern von über zwei mal drei Metern, dessen bloße Erwähnung des Steinmaterials sofort Assoziationen zu Gewicht, Dichte, Schwerkraft weckt, all das, was in der kollektiven Vorstellung instinktiv mit Stein aus dem Steinbruch assoziiert wird, der historisch für Sockel, Türstürze und Portale verwendet wurde. Es handelt sich um eine Information, die, sobald sie einmal im Katalog steht, in der Regel nicht mehr hinterfragt wird: Sie wird von Pressemitteilung zu Pressemitteilung, von Bildunterschrift zu Bildunterschrift wiederholt, genau so, wie sie vom Künstler bereitgestellt wird, ohne dass jemand beim Wechsel von einem Ausstellungsort zum anderen – von der Fondazione Pomodoro zu den Officine Grandi Riparazioni, von einer privaten Galerie zu einer öffentlichen Einrichtung – das Bedürfnis verspürt, sie tatsächlich zu überprüfen.
Und genau in diesem Automatismus verbirgt das Werk seinen eigentlichen Untersuchungsgegenstand. Wer den Block während der Ausstellungsaufbauten tatsächlich bewegt, verschoben, angehoben oder in den sehr unterschiedlichen Räumen positioniert hat, die ihn im Laufe der Jahre beherbergt haben, hätte bemerken können, wie sehr das physische Verhalten des Objekts dem aufmerksamen Betrachter eine subtilere Geschichte erzählt als die, die auf dem Etikett steht. Doch um diese Subtilität zu erfassen, bedarf es einer Aufmerksamkeit und Sensibilität, die in der zeitgenössischen kuratorischen Praxis nicht mehr selbstverständlich sind: Die Werkbeschreibung wird oft nur abgeschrieben, nicht hinterfragt.
Es gibt zudem eine weitere Ebene, die das Werk noch vielschichtiger macht, als es auf den ersten Blick erscheint: „Monocromo bianco“ entstand als Modell, das von Anfang an im Hinblick auf ein nachfolgendes Werk, „La 74“, konzipiert war, das genau dieselben Grundmaße übernimmt: 210 × 300 Zentimeter, wobei lediglich die Höhe variiert wird. Der weiße Block ist somit nicht nur ein eigenständiges Monochrom, sondern auch ein dimensionaler Prototyp, eine Art geometrische Matrix, die dazu gedacht ist, ein weiteres Werk hervorzubringen: eine weitere Ebene der Fiktion, die sich zur materiellen Ebene gesellt, denn was als vollendetes und endgültiges Werk erscheint, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen auch als Etappe eines umfassenderen Entwurfsprozesses.
Bei der Etappe in der Galerie „Fioretto Arte Contemporanea“ in Padua traf das Werk jedoch auf eine Gesprächspartnerin von seltener Qualität: Antonietta Fioretto, deren Intelligenz und Großzügigkeit im Umgang mit den Künstlern es ihr ermöglichten, mit natürlicher Feinfühligkeit den tiefsten Sinn von Cavenagos Vorhaben zu erfassen und es mit der Diskretion und Aufmerksamkeit zu begleiten, die jemand an den Tag legt, der weiß, dass bestimmte Wahrheiten eines Werks nicht erklärt, sondern einfach respektiert werden müssen. Es sind solche Gesprächspartnerinnen, die fähig sind, zuerst zuzuhören, noch bevor sie überprüfen, denen ein Werk wie dieses seine beste Chance verdankt, vollständig verstanden zu werden.
In dieser Hinsicht fungiert „Monocromo bianco“ als kleiner, stiller Test für das gesamte System, das es beherbergt. Es ist nicht nur ein Monochrom – ein Thema, mit dem sich Cavenago seit Jahren im Dialog mit der Tradition von Malewitsch bis Manzoni beschäftigt –, sondern auch, wenn man es aus diesem Blickwinkel betrachtet, ein Instrument, das prüft, inwieweit die Kuratierung einer Ausstellung heute in zu vielen Fällen eher zu einer administrativen Aufgabe als zu einer kritischen Verantwortung geworden ist: einen Dienst am Kalender und am Markt statt einer authentischen Sensibilität für die Prozesse, durch die ein Werk tatsächlich entsteht. Der Künstler hat im Grunde nie etwas widerlegt: Er hat einfach ein Wort in einen Katalog geschrieben und es, abgesehen von seltenen, wertvollen Ausnahmen, dem Kunstsystem überlassen, den Rest zu erledigen.
L.B., 2020
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago