Umberto Cavenago

Un metro cubo di scultura, 1993

Rostfreier Stahl und Aluminium

100 × 100 × 100 cm

Un metro cubo di scultura

Un omaggio che è anche una conseguenza

1967 stellte Pino Pascali 1 mc di terra und 2 mc di terra aus: mit Erde bedeckte Holzquader, die an der Wand hingen und zunächst im „Attico“ und anschließend von Celant in der Bertesca in Genua in der Ausstellung präsentiert wurden, die den Begriff „Arte Povera“ prägte. Der Titel gibt eine Menge mit der Präzision einer Baustellen-Maßeinheit an, doch das Volumen ist hohl, und die tatsächlichen Maße stimmen nicht mit den angegebenen überein. Die Täuschung ist doppelt: Die Erde ist eine Haut, die über einen leeren Rahmen gespannt ist, und das Zertifikat ist gefälscht.
Sechsundzwanzig Jahre später greift Cavenago diese Formel wieder auf und ändert das Substantiv. Nicht ein Kubikmeter Erde, sondern ein Kubikmeter Skulptur: Das angegebene Material ist keine Substanz mehr, sondern die Kategorie selbst, quantifiziert nach Volumen, so wie man Beton bestellt. Es ist eine erklärte Hommage, aber keine Nachahmung. Es ist die Art und Weise, wie eine nachfolgende Generation eine Aussage aufgreift, ihre logischen Konsequenzen überprüft und sie dorthin führt, wohin ihre eigene Sprache sie führt.
Und Cavenagos Sprache ist 1993 die der Werkstatt. Auf Holz und Erde antworten Edelstahlblech und gedrehtes Aluminium. Auch das Blech ist eine Hülle: Auch dieser Kubikmeter umschließt Luft, keine Masse. Aber er verbirgt dies nicht. Der Stahl gibt nicht vor, voll zu sein, wie es die Erde vorgab; er erklärt, eine Oberfläche zu sein, die ein Volumen begrenzt, und verschiebt so die Bedeutung des Titels. Wenn die Skulptur der Kubikmeter ist, dann ist die Skulptur der enthaltene Raum, nicht das Metall, das ihn umschließt.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago

Le ruote al posto dei vertici

An jeder vertikalen Kante, oben und unten, ist ein Rad eingelassen: insgesamt acht an den acht Ecken des Hexaeders. Sie drehen sich um Achsen, sind aus einem Stück Aluminium gefertigt und perfekt gedreht; das Licht gleitet über die konzentrischen Ringe, die das Werkzeug hinterlassen hat, und lässt sie als den wertvollsten Teil des Objekts erscheinen, der wie ein Stein in seiner Fassung in den Ecken sitzt.
Genau hier vollzieht das Werk seinen Bruch. In der Geometrie ist der Scheitelpunkt das abstrakteste Element des Körpers: ein dimensionsloser Punkt, an dem sich drei Ebenen treffen und sonst nichts geschieht. Cavenago ersetzt ihn durch ein mechanisches Bauteil. Der Würfel wird nicht mehr durch acht ideale Punkte definiert, sondern durch acht gefertigte Objekte, und das immateriellste Element der Figur wird zum funktionalsten. Die Geometrie hört auf, eine Eigenschaft zu sein, und wird zu einer Montage von Teilen.
Der Kontrast zwischen den beiden Verarbeitungsweisen ist Teil der Aussage. Die Flächen bestehen aus Blech: groß, satiniert, vom Licht sanft bewegt, mit jener weichen Wölbung, die jede große Metalloberfläche aufweist und nicht verbirgt. Die Räder sind gedreht: streng, auf den Hundertstel genau. Das Leder ist ungenau, die Kontaktpunkte sind exakt. In Pascalis Werk lag die Ungenauigkeit in der angegebenen Maßeinheit; hier hat sie sich auf den Körper verlagert, während die Maßeinheit und das, was sie funktionsfähig macht, makellos geworden sind.
Die vier unteren Räder stehen auf dem Boden und heben das Volumen kaum vom Boden ab. Die vier oberen Räder dienen keinem Zweck, und gerade deshalb sagen sie das Wichtigste aus: Der Würfel hat weder eine Ober- noch eine Unterseite. Auf jede beliebige Seite gekippt, würde er sich genauso verhalten. Er hat keinen Sockel, keine Ausrichtung, keine richtige Position. Er ist ein Körper, der auf seinen eigenen Sockel verzichtet hat, indem er ihn achtmal in sich integriert hat.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago

Un volume che si sposta

Ein Kubikmeter Stahl in einem Ausstellungsraum wirkt unweigerlich wie ein Sockel. Doch darauf befindet sich nichts: Der Titel besagt, dass der Sockel die Skulptur ist – und zwar aufgrund seiner Menge. Es handelt sich um dieselbe Umkehrung wie bei „Piedistallo“ (1989), wo der Sockel den Platz der Statue einnahm, die er eigentlich hätte tragen sollen, und wie 1993 in „L’Arte stanca“ im Museo Pecci, wo die Bänke des Museums auf tragenden Kugeln ruhten und die Warteeinrichtung in ein Gerät verwandelten, das den Betrachter in Bewegung versetzte. Das ist die Essenz: Nebenelemente des Ausstellungssystems – der Sockel, die Sitzgelegenheit, die Maßeinheit – werden zum Inhalt erhoben und in Bewegung versetzt.
Denn die Räder sind kein mechanisches Ornament: Sie sind die Voraussetzung des Werks. Sie machen den Kubikmeter beweglich und mit ihm den Raum, den er umschließt. Was Pascali an der Wand befestigt hatte – ein falsches Volumen mit ungenauer Maßangabe –, steht hier auf dem Boden, exakt, und kann geschoben werden. Die Skulptur nimmt keinen Ort mehr ein: Sie durchquert einen. Und ihre Menge, der im Titel angegebene Kubikmeter, bleibt überall gleich, wohin sie auch geht – was genau das ist, was man von einer Lieferung erwartet, und was man von einer Skulptur nie erwartet hätte.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago
Un metro cubo di scultura

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