1989 fertigte Cavenago dreizehn Paar Rollschuhe aus 8/10 Millimeter starkem verzinktem Blech an, die kurz darauf in einer Gemeinschaftsausstellung im Studio Marconi in Mailand präsentiert und über die drei Etagen des Gebäudes verteilt wurden. Dies stellt einen Maßstabswechsel gegenüber den bis dahin realisierten großen und sperrigen Fahrzeugen dar: Der Künstler wechselt von Lastwagen und Motorrädern – Objekten, die ganze Ausstellungsräume einnahmen – zu einem kleinen, menschengroßen Objekt, den Rollschuh, der unter Berücksichtigung der tatsächlichen Proportionen des Fußes konstruiert wurde (die Größe 37, wie Vittoria Coen bemerkte, ist tatsächlich die Größe 37, ohne jegliche künstlerische Freiheit beim Maßstab).
Die radikalste Entscheidung betrifft jedoch nicht die Form, sondern die Platzierung: Die Schlittschuhe werden streng auf dem Boden platziert, ohne jeglichen Sockel. Diese Entscheidung steht im Einklang mit der gesamten Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Thema der traditionellen Stützkonstruktion der Skulptur, hat hier jedoch eine Konsequenz, deren volle Tragweite Cavenago vielleicht nicht vorausgesehen hatte. Das Ausstellungspublikum, das an bekannte Schemata und die Banalität der Gewohnheit gewöhnt ist, beschränkt sich beim Anblick der auf dem Boden liegenden Rollschuhe – und vielleicht beim Erkennen der eigenen Schuhgröße, die genau wie bei einem Schuh auf jedes Paar aufgedruckt ist – nicht darauf, sie nur zu betrachten: Es steigt darauf. Schade nur, dass dieses dünne Blech, das als konzeptuelles Symbol eines minimalen Fortbewegungsmittels, als anthropomorpher Geschwindigkeitsverstärker gedacht war – wie Luigi Di Corato es definierte –, in keiner Weise dafür ausgelegt war, ein tatsächliches Körpergewicht zu tragen. Die Folge war die Zerstörung und Verformung einiger Exemplare, die von Besuchern zertrampelt wurden, die die dem Objekt innewohnende Zerbrechlichkeit und die implizite Frage, die jede seiner Zerbrechlichkeiten aufwarf, nicht zu erfassen vermochten: Seit wann steigt man auf ein Kunstwerk?
Es handelt sich um einen Vorfall, der einfach als Unfall abgetan worden wäre, als ein Missverständnis, das der Unwissenheit des Publikums zuzuschreiben ist. Doch Jahre später unternimmt Cavenago einen weitaus interessanteren Schritt: Er verwandelt diese Beschädigung in einen gestalterischen Bestandteil, in vollwertiges Arbeitsmaterial. So entstand 1995
„A prova di scemo“ – ein Titel, der mit fast rachsüchtiger Ironie offen die Lehre bekundet, die aus dem Vorfall von 1989 gezogen wurde. Gleiche Menschengröße, dieselben dreizehn Exemplare, nummeriert von 34 bis 46, derselbe Verzicht auf einen Sockel und dieselbe Aufstellung auf dem Boden; doch diesmal besteht das Material nicht mehr aus dem dünnen, 8/10 Millimeter starken verzinkten Blech, sondern aus Cor-Ten-Stahl, einer per Definition widerstandsfähigen Legierung, die tatsächlich das Gewicht derer aushalten kann, die der Versuchung, das Werk zu betreten, erneut nicht widerstehen können.
Schon der Titel selbst spielt auf zwei Ebenen: Einerseits erkennt er mit beißendem Sarkasmus jene „vulgäre“ Komponente des Publikums an, die 1989 nicht in der Lage war, ein zerbrechliches Kunstwerk von einem Gebrauchsgegenstand zu unterscheiden; andererseits verwandelt er eben diese Respektlosigkeit in einen gestalterischen Aspekt, der von Anfang an einbezogen werden sollte, anstatt ihn als unvorhergesehenes Hindernis hinzunehmen. Wie Antonella Soldaini schrieb, schreibt die wahrgenommene Leere an der Stelle, an der der Eisläufer hätte stehen können, eine Lücke vor, die der Betrachter – sobald er sein eigenes Maß erkannt hat – unweigerlich füllen will, indem er physisch in das Werk eingreift und ihm mit dieser Geste eine neue Form verleiht, und sei es auch die Form seiner Zerstörung. Cavenago beseitigt mit „A prova di scemo“ diese Dynamik nicht: Er nimmt sie an, antizipiert sie, macht sie strukturell tragfähig und bedankt sich damit implizit bei eben jenem Publikum, das ihm – indem es auf die ersten Schlittschuhe trat – unwissentlich das fehlende Element geliefert hatte, um das Werk in seiner endgültigen Fassung zu vollenden.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago