Die Zeichnung „A sostegno dell’Arte“ aus dem Jahr 1988, eine kleine Bleistiftzeichnung auf Papier von gerade einmal 18 × 18 Zentimetern, birgt einen Anspruch, den der junge Cavenago nicht verwirklichen konnte: ein Projekt, das die drei Etagen des Studio Marconi in Mailand durchziehen sollte, einer der einflussreichsten Galerien für italienische Kunst jener Jahre. Es ist eine Idee, die bereits in ihrer konzeptionellen Radikalität voll ausgereift ist: das Werk als Struktur, die das Gebäude durchdringt, anstatt lediglich einen Raum zu beanspruchen. Die Galerie erachtete das Projekt damals jedoch als wirtschaftlich und kommerziell nicht tragbar: zu ehrgeizig, zu kostspielig, zu wenig verkaufsfähig für einen Künstler, der noch am Anfang seiner Laufbahn stand. Das Projekt blieb somit auf dem Papier – ein Zeugnis dafür, wie sehr Cavenago schon von Anfang an bereit war, kühne und kompromisslose Lösungen vorzuschlagen, die sich von Beginn an jeder Logik der Anpassung an den Markt widersetzten.
Diese Idee verschwindet jedoch nicht: Sie schlummert über ein Jahrzehnt lang, bis sie schließlich 1999 einen Rahmen findet, der bereit ist, sie in ihrer Gesamtheit aufzunehmen. Es ist
„Pilastro Crepadona“, das anlässlich der von Renato Barilli im Palazzo Crepadona kuratierten Ausstellung realisiert wurde, das diesem unumgesetzten Entwurf aus der Jugendzeit buchstäblich Gestalt verleiht: ein architektonisches Element, das vom Kreuzgang aus physisch zwei Stockwerke des Gebäudes durchzieht, genau nach der mehrstöckigen Logik, die das Studio Marconi elf Jahre zuvor für undurchführbar gehalten hatte. Die Stadt, die Galerie und der Umfang des Projekts ändern sich – von Mailand nach Belluno, von einem privaten Geschäftsraum zu einer kritisch kuratierten Museumsausstellung –, doch das Prinzip bleibt dasselbe: eine einzige fiktive Architektur, die zur vertikalen Durchquerung eines realen Gebäudes wird, in offenem Widerspruch zu dessen ursprünglicher Aufteilung und Symmetrie.
In dieser Kontinuität betrachtet, ist
„Pilastro Crepadona“ nicht nur die x-te Variation des Themas der instabilen Stütze, das sich durch das gesamte Werk von Cavenago zieht: es ist auch – und vielleicht vor allem – die späte Anerkennung einer Intuition aus dem Jahr 1988, die für ihre Zeit zu radikal war, eines Projekts, das der Markt im Namen der Nachhaltigkeit verworfen hatte und das die Kunst elf Jahre später schließlich doch noch unterstützen konnte.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago