Führung, 1994 – Edelstahl und Aluminium, 25 × 54 × 400 cm. Erstmalige Installation in der Galerie La Nuova Pesa, Rom, im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung mit Maurizio Arcangeli und Guglielmo Aschieri unter dem Titel „Saldatura“.
„Visita guidata“ entsteht aus einer ganz bestimmten architektonischen und institutionellen Gegebenheit, die Cavenago unmittelbar in ein konzeptuelles Dispositiv verwandelt. Der Raum in der Via del Corso 530, damals Sitz von „La Nuova Pesa“, war fast ein Jahrzehnt lang, von 1985 bis 1993, gemeinsam mit der Associazione Mara Coccia genutzt worden: zwei historische Galerien der römischen Szene, die beide seit den 1960er- und 1970er-Jahren aktiv waren und jahrelang dieselbe Adresse genutzt hatten. 1993 war Mara Coccia gezwungen, diesen Raum zu verlassen, und blieb für eine gewisse Zeit ohne eigenen Sitz; „La Nuova Pesa“ übernahm die frei gewordenen Räumlichkeiten, vergrößerte sich und schlug eine Öffnung in die Trennwand, um die beiden Räume zu einem einzigen durchgehenden Ausstellungsraum zu vereinen. In dieser gerade vergrößerten Galerie wurde Cavenago 1994 – genau in dem Jahr, in dem die Zusammenlegung der beiden Räume vollzogen wurde – zu einer Ausstellung eingeladen.
Seine Vorgehensweise steht im Gegensatz zu der der Architekten, die die beiden Räume miteinander verbunden hatten: Er verschließt die gerade geschaffene Öffnung fast vollständig, lässt nur ein kleines Loch übrig und führt durch dieses Loch eine vier Meter lange Stahlrohrstange hindurch, die zwei kubische Sockel verbindet, von denen jeweils einer in jedem der beiden Räume steht – eben jene beiden Räume, die bis vor wenigen Monaten noch zu zwei getrennten Galerien mit unterschiedlicher Geschichte, unterschiedlichen Programmen und unterschiedlichem Publikum gehört hatten und die der Künstler nun nicht durch die gerade geschaffene architektonische Öffnung wieder miteinander verbindet, sondern durch einen skulpturalen Mechanismus, der ihre Trennung in kritischer Form wiederherstellt.
Die beiden Würfel, die an der Basis mit versteckten Rädern ausgestattet und an der Oberseite mit einem rutschfesten Aluminiummaterial verkleidet sind, sind im wahrsten Sinne des Wortes Sockel, das konventionellste und klischeehafteste Element der musealen Inszenierung, auf dem das Kunstwerk üblicherweise platziert wird, damit das Publikum es von unten nach oben betrachten kann. Cavenago kehrt diese Hierarchie um: Er lädt das Publikum ausdrücklich dazu ein, auf die Sockel zu steigen, und bietet so die Möglichkeit, die Gemeinschaftsausstellung „Saldatura“ – ein Titel, der nicht zufällig auf eine Verschmelzung anspielt, genau wie die gerade erfolgte Fusion der beiden Galerien –, nicht mehr aus der Perspektive des Betrachters, sondern aus der buchstäblich erhöhten Perspektive, die normalerweise dem Kunstwerk selbst zusteht.
Die strukturelle Bindung ist es, die die Installation zu einem regelrechten Beziehungsmechanismus macht. Die beiden Sockel, die durch die starre Stange verbunden sind, die das Loch in der Wand durchquert, können sich nicht frei in jede Richtung bewegen: Ihr Bewegungsspielraum wird durch die Länge der Stange und die Breite des Lochs selbst begrenzt, das als eine Art mechanisches Scharnier zwischen den beiden Räumen fungiert. Wenn eine Person auf einen der beiden Würfel steigt, werden ihr Gewicht und ihre Bewegung über die Stange auf den Zwillingssockel übertragen, der sich daraufhin im anderen Raum bewegt – scheinbar jedoch von selbst, ohne sichtbaren Bediener, da die fast vollständig geschlossene Wand verhindert, dass die Person in einem der beiden Räume sehen kann, was im anderen geschieht.
Daraus ergibt sich ein doppelter und bewusst verwirrender Effekt: Wer auf den Sockel steigt, um die Ausstellung „von oben zu betrachten“, kann nicht sehen, welche Wirkung seine Geste auf der anderen Seite der Wand hervorruft; wer sich hingegen im gegenüberliegenden Raum befindet, beobachtet die autonome, scheinbar grundlose Bewegung eines leeren Podests, ohne die Ursache ausmachen zu können – einen einfachen Menschen auf der anderen Seite, der sich auf den Zwillingswürfel gehoben hat. Es ist ein Mechanismus, der kinetisch, fast automatisch wirkt, in Wirklichkeit aber gänzlich menschlich ist und nicht von einem Motor, sondern vom Körper des Besuchers selbst angetrieben wird.
Der Titel
„Visita guidata“ (
Führung) erhält so eine doppelte, pointierte Bedeutung, die gerade durch die Geschichte des Ortes, an dem er ausgestellt ist, noch verstärkt wird: In dieser Installation gibt es keinen menschlichen Führer, der das Publikum durch die Ausstellung begleitet; der Führer ist der Mechanismus selbst, das Loch, das die beiden einst getrennten Räume miteinander verbindet, und die Stange, die auf gänzlich strukturelle und unpersönliche Weise den Bewegungsraum definiert, der der Bewegung gewährt wird. Ein stiller, mechanischer Führer, der durch das Zusammenspiel der beiden einst getrennten Räume gerade die architektonische Erinnerung an den Ort inszeniert, der ihn erst möglich gemacht hat. Es handelt sich um ein kompositorisches Prinzip, das Cavenago Jahre später in einer anderen, aber konzeptionell verwandten Form mit
„Nastro Trasportatore“ in der Galleria Raffaella Cortese in Mailand wieder aufgreifen wird, einem weiteren Werk, das dazu gedacht war, zwei benachbarte Räume zu durchqueren, und das bestätigt, wie sehr das Thema des durch ein verborgenes mechanisches Element geteilten und wieder verbundenen Ausstellungsraums eine der originellsten und wiederkehrendsten Leitlinien seiner Forschung darstellt.
L.B., 2024
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago