„Gru“ entstand knapp ein Jahr nach „Contenitore“ (mit behauenem Stein) (1987) entstanden, und die beiden Werke erzählen, nacheinander betrachtet, von einem konkreten Schritt in der Auseinandersetzung des jungen Cavenago mit dem Verhältnis zwischen Skulptur und der Welt der industriellen Arbeit – ein Schritt, der umso interessanter ist, als er in diesem Fall aus einer reinen Wette um den Titel und nicht um die Form heraus erfolgt.
In „Contenitore“ von 1987 war die Untersuchung noch statisch: ein geometrischer, geschlossener Körper aus verzinktem Blech, der einem behauenen Travertinblock gegenübergestellt wurde – in einem stillen Dialog zwischen zwei Materialien unterschiedlicher Herkunft, von denen das eine durch den industriellen Prozess kalibriert, das andere durch eine Bearbeitung behauen wurde, die es zwar vereinheitlichte, aber dennoch die Erinnerung an eine natürliche Entstehung bewahrte. Es war ein Werk über die unbewegte Koexistenz zweier Massen, über das Gewicht als etwas, das eher betrachtet als manipuliert werden sollte.
„Gru“, ein Jahr später, stellt keineswegs einen Kran dar. Es ist in seiner Form ein einfacher Quader mit rechteckiger Grundfläche aus verzinktem Blech und Stahl, ohne jeglichen Ausleger, Gegengewicht oder Element, das visuell auf das Profil einer Hebemaschine anspielt: Das einzige Merkmal, das es vom vorherigen „Contenitore“ unterscheidet und dessen gesamte Bedeutung begründet, sind die vier Räder an der Basis. Der Titel beschreibt also keine formale Ähnlichkeit, sondern bekundet eine funktionale Absicht; er fordert den Betrachter auf, auf das anonyme Volumen das mentale Bild einer Maschine zu projizieren, die hier nur im Namen vorkommt.
Es ist eine skulpturale Geste, die fast ausschließlich mit dem Gegensatz zwischen Wort und Form arbeitet. Während der „Contenitore“ von 1987 das Gewicht durch die physische Gegenüberstellung zweier Materialien veranschaulichte, so evoziert „Gru“ es durch reine Subtraktion: ein stummer, geometrischer Block, der nichts anhebt, keine beweglichen Arme hat, keine sichtbare mechanische Geste vollführt und dennoch den Namen der Maschine trägt, die mehr als jede andere in der industriellen und hafenbezogenen Vorstellungswelt ein Synonym für das Heben und Bewegen von Lasten ist. Die vier Räder, das einzige Element, das eine Bewegungsmöglichkeit verrät, reichen nur insofern aus, den Titel zu rechtfertigen, als das Publikum bereit ist, gedanklich zu vervollständigen, was das Werk bewusst nicht zeigt.
Es ist kein Zufall, dass das Werk seinen idealen Standort in der Loggia della Mercanzia in Genua im Rahmen der Ausstellung Ge.Mi.To. findet : einem Ort, der historisch mit dem Handel, dem Wiegen von Waren und dem Warenumschlag in einer der bedeutendsten Hafenstädte des Mittelmeers verbunden ist, wo jahrhundertelang echte Kräne Ladungen von den im Hafen vor Anker liegenden Schiffen gehoben haben. Cavenago rekonstruiert diese Industriearchäologie nicht in der Form, sondern verweist im Namen darauf und überlässt es dem genuesischen Kontext – einem Ort, der diese Funktion historisch gelebt hat –, durch Assoziation das zu vervollständigen, was die Skulptur mit ihrer stummen Geometrie nicht darstellen will.
Im Zusammenhang mit dem „Contenitore“ von 1987 betrachtet, markiert „Gru“ somit eine präzise konzeptuelle Entwicklung innerhalb desselben Zeitraums: vom Gewicht, das als Zustand dargestellt wird – zwei unbewegliche Massen, die nebeneinander stehen –, hin zum Gewicht, das lediglich benannt wird und einem Titel anvertraut ist, der eine Funktion verspricht (heben, bewegen), während die Form, abgesehen von dem minimalen Detail der Räder, hartnäckig träge bleibt. Es ist ein Baustein, der sich rückblickend als entscheidend erweist: Er bereitet den Boden für die gesamte nachfolgende Phase der Skulpturen auf Rädern und der instabilen Säulen, in der die Kluft zwischen dem, was ein Objekt zu leisten verspricht, und dem, was es tatsächlich tut, zum erkennbarsten Merkmal von Cavenagos künstlerischer Reife wird.
L.B., 2020
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago