Es gibt einen Punkt, an dem die Malerei aufhört, nur noch Oberfläche zu sein, und zum Körper wird – wo sich die Farbe nicht mehr auf einer Leinwand ausbreitet, sondern sich auf einem Blech absetzt, das von einer CNC-Abkantpresse geformt wurde, wobei sie jedoch weiterhin von Hand, mit dem Pinsel, aufgetragen wird, gemäß der ältesten und handwerklichsten Geste der Malerei. An diesem scheinbar widersprüchlichen Punkt ansetzt Monocromo n. 180 (2010) von Umberto Cavenago, ein Werk, das bereits im Titel selbst – einer Zahl statt eines Namens – sein Maß trägt: 180 Zentimeter, die Länge eines ausgestreckten menschlichen Körpers, einer Stange, eines architektonischen Elements, das entnommen und an der Wand angebracht wurde. Doch bei genauerem Hinsehen erscheinen an den Ecken dieses Elements, das scheinbar wie ein Gemälde installiert ist, vier gedrehte Aluminiumräder: ein winziges Detail, das durch die Frontalität der Wandmontage fast verborgen bleibt, das jedoch eine weitere Möglichkeit des Werks offenbart – nämlich auf einer horizontalen Fläche zu ruhen und sich von dort aus zu bewegen. Das Monochrom ist also nicht nur Malerei, die Körper annimmt: Es ist Malerei, die zum Vehikel wird, schwebend zwischen der kontemplativen Statik der Wand und dem kinetischen Potenzial des Bodens.
Cavenago blickt auf eine Ausbildung zurück, die technisches Zeichnen und Bildhauerei, Metallbau und Design miteinander verknüpft: Sein Vokabular besteht normalerweise aus Stahl, Aluminium und Industriegummi – Materialien, die bereits eine Geschichte der Fabrik, der Serienproduktion und der Funktion in sich tragen. Doch hier, auf diesem Träger mechanischen Ursprungs, führt der Künstler ein Element gegensätzlicher Natur ein: Acryl ist weder Sprühlack noch industrielle Oberflächenbehandlung, sondern von Hand aufgetragene Farbe, Fläche für Fläche, mit dem Pinsel des Malers. Es ist ein gewollter Kurzschluss: Die Hand kehrt genau dorthin zurück, wo man die Anonymität der Maschine erwarten würde, und in dieser Diskrepanz, in dieser Reibung zwischen der geometrischen Strenge des Objekts und der manuellen Geduld seiner Oberfläche findet das Werk seine subtilste Spannung – eine Spannung, die die Räder nicht auflösen, sondern verdoppeln: Auch die Bewegung ist hier, wie die Farbe, eher versprochen als ausgeführt, eher potenziell als real.
In dieser Hinsicht steht das Werk – sowohl durch Nähe als auch durch Unterschied – im Dialog mit der Genealogie des Monochroms des 20. Jahrhunderts, von Malewitsch über Klein bis hin zu den „Achrome“ von Manzoni, einem Künstler, dem Cavenago bereits 1999 ein explizites Werk gewidmet hatte. Wie diese Tradition beansprucht auch Monocromo n. 180 den manuellen malerischen Akt als Grundlage der Monochromie; doch im Gegensatz zu ihr überträgt es diesen nicht auf die Leinwand, sondern auf einen dreidimensionalen Körper, sechs Zentimeter dick, was ausreicht, um seine Zugehörigkeit zum realen Raum zu bekunden, nicht zu dem illusorischen Raum der Darstellung – und diesem Körper fügt er mit seinen Rädern eine weitere Zugehörigkeit hinzu: die zur Welt der einfachen Maschinen, der Objekte, die dazu geschaffen sind, sich fortzubewegen. Das Gemälde wird zum Objekt, das Objekt wird fast zum Fahrzeug; die Malerei bleibt zwar eine Geste der Hand, wird jedoch auf ein strukturelles Profil statt auf einen Rahmen aufgetragen; nicht mehr ein an der Wand hängendes Gemälde, sondern eine bemalte und gedrehte Skulptur, die mit subtiler Ironie vorgibt, Malerei zu sein, und die gerade dank des manuellen Pinselstrichs paradoxerweise ihr Recht, sich so zu nennen, unversehrt bewahrt.
Es ist eine Geste, die dem gesamten Schaffen des Künstlers eigen ist, der seit jeher von dem Kurzschluss zwischen Maschine und Denkmal, zwischen industriellem Prozess und bewusst sichtbar gemachtem handwerklichem Eingriff angezogen wird. Wie seine motorlosen Fahrzeuge oder seine Skulpturen auf Rädern – „Camion“, „Half Ton“, die Rollschuhe aus Stahl – gehört auch dieses monochrome Werk zu jener Familie von Objekten, die eine Funktion beanspruchen und eine andere verneinen: Es hat die Struktur einer Industrieplatte, die Oberfläche eines handgemalten Gemäldes und an den Ecken die Räder eines Fahrzeugs, das niemals eine Straße befahren wird, solange es an der Wand hängt. Es ist ein Fahrzeug, das durch seinen eigenen Status als Kunstwerk immobilisiert ist, zur Horizontalität des Gemäldes gezwungen, obwohl es in Aluminium gedreht die Erinnerung an seine Bestimmung zur Bewegung in sich trägt.
Monocromo n. 180 ist somit ein Werk über die Mehrdeutigkeit: Blech, das zum Malgrund geworden ist, Pinselstrich, der zur Oberfläche eines skulpturalen Objekts geworden ist, Rad, das zum stillen Detail einer nie angetretenen Fahrt geworden ist. In diesem ungelösten und bewusst unlösbaren Schwanken zwischen der Hand des Malers, der Berechnung des Konstrukteurs und dem unerfüllten Versprechen des Fortbewegungsmittels liegt der authentischste Sinn der Arbeit von Umberto Cavenago.
L.B., 2021
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago