Es ist schon erstaunlich, auf einem kleinen Blatt von gerade einmal 21 mal 15 Zentimetern, das 1988 mit Fettstift und Acrylfarbe gemalt wurde, im selben Jahr wie die ersten „Gru“, die ersten auf Rädern fahrenden Objekte, die in der Galerie Franz Paludetto ausgestellt wurden, einen Titel zu entdecken, der um mehr als dreißig Jahre ein Thema vorwegnimmt, das der Künstler erst viel später vollständig entwickeln wird: „Home“. Kein Entwurf für ein Haus im architektonischen Sinne, sondern die noch formlose, auf Papier festgehaltene Ankündigung einer Obsession, die im Laufe seiner Karriere immer wieder auftauchen wird – stets gefiltert durch die ihm eigene industrielle Formensprache.
Die Zeichnung bleibt ein nicht realisiertes Projekt: Wir wissen nicht – und vielleicht ist es auch gar nicht relevant, es genau zu wissen –, welche dreidimensionale Form sie hätte annehmen sollen. Was zählt, wenn man sie Jahrzehnte später betrachtet, ist ihre Funktion als Keim, eine kleine Notiz, die eine Absicht festhält, genau wie die Entwurfszeichnungen von „Visita guidata“ oder „C-DUU“ die Idee vor ihrer technischen Umsetzung festhielten, die hier jedoch, anders als in jenen Fällen, keine unmittelbare Fortsetzung findet. Die Idee von „Home“ bleibt in der Schwebe, nicht in der Werkstatt umgesetzt, nicht im Maßstab 1:1 erprobt – ein Gedanke, der viele Jahre lang reifen durfte, fast wie im Schlaf.
Erst Jahrzehnte später tauchen dieser Titel und das damit verbundene Thema wieder in Cavenagos Werk auf, in unterschiedlichen, aber erkennbar verwandten Formen. „L’Alcova d’acciaio“, eine bewohnbare Skulptur, übersetzt die Idee des Zuhauses in einen Rückzugsort, der mit derselben materiellen Kühle aus Stahl erbaut ist, den der Künstler für seine Skulpturen auf Rädern verwendet – eine Häuslichkeit, die durch die Sprache der Baustelle gedacht ist, nicht durch die des traditionellen Herdes. „Home Sweet Home“, ein Entwurf für ein Denkmal, trägt den fast identischen Titel aus dem Jahr 1988, angereichert um die Redewendung, die im Englischen seit jeher die Vorstellung vom Zuhause als emotionalem Rückzugsort begleitet, jedoch – nicht zufällig – auf die befremdliche Sprache des Denkmals angewandt wird – ein Genre, dem Cavenago seit jeher mit kritischem Misstrauen begegnet. Und schließlich, in jüngerer Zeit, „Sweet Home“, die große Skulptur aus Cortenstahl, die im Überschwemmungsgebiet des Po in Suzzara installiert wurde – ein Hybrid aus Haus und Boot, mit Schiffsketten verankert und in der Lage, sich den Hochwassern des Flusses anzupassen –, vollendet vielleicht in ihrer vollendeten Form die Idee einer Behausung, die niemals wirklich stabil, niemals wirklich verwurzelt ist und stets der Bewegung und Instabilität ihres Umfelds ausgesetzt ist.
Aus heutiger Sicht erscheint das kleine „Home“ von 1988 somit als Ausgangspunkt einer Konstellation, die sich über die gesamte Laufbahn des Künstlers hinweg entfalten wird: ein Titel, der auf einem Karton festgehalten wurde, lange bevor Cavenago über die Mittel, die ausgereifte bildhauerische Sprache und vielleicht auch die institutionellen Gelegenheiten verfügte, um das Thema des Hauses als instabiles, industrielles und niemals ganz sesshaftes Objekt vollständig zu entwickeln. Kein gescheitertes Projekt, sondern eine bewusst offen gelassene Intuition, auf die der Künstler mit fast geologischer Geduld in verschiedenen, weit auseinanderliegenden Momenten seiner künstlerischen Suche zurückkommen wird.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago