Schon der Titel, noch vor dem Werk selbst, verdeutlicht dessen Wesen: „fuori squadra“ ist ein Fachbegriff aus dem Bau- und Tischlerhandwerk, der ein Element bezeichnet, dessen Winkel nicht mehr den im Entwurf vorgesehenen neunzig Grad entspricht – ursprünglich eher ein Fehler als eine bewusste Entscheidung. Cavenago verwandelt hier den Fehler in ein konstruktives Prinzip.
Das Werk besteht aus vier Stahlrädern, die paarweise miteinander verbunden sind: zwei separate Paare, die jeweils in sich schlüssig sind, jedoch keine strukturelle Verbindung zueinander aufweisen. Dies stellt bereits eine erste Abweichung vom übrigen Schaffen des Künstlers zum Thema Rad dar, bei dem die Konstruktion üblicherweise einheitlich war: eine einzige Achse, ein einziges Drehsystem, das von allen Elementen gemeinsam genutzt wurde. Hier hingegen führt das interne Kopplungssystem jedes Paares eine Verdrehung ein, eine Torsion, die das Ganze gegenüber der erwarteten Senkrechten verschiebt: Die Räder berühren den Boden nicht mit ihrer gesamten Oberfläche, sondern schräg, kantig, wie Skier, die in eine Kurve einfahren und dabei den Schnee seitlich einschneiden, anstatt flach darüber zu gleiten.
Es ist ein Detail, das die Bedeutung des Objekts völlig verändert. Während in den anderen Skulpturen auf Rädern von Cavenago – den Säulen in Berlin, den Sockeln von „Visita guidata“, dem an der Wand hängenden Monochrom – das Rad immer implizit eine horizontale, glatte, befahrbare Fläche voraussetzt: den Boden einer Galerie, den Asphalt einer Stadt, die ebene Fläche, auf der ein Objekt reibungslos gleiten kann. In „Fuori squadra“ entfällt diese ideale Oberfläche zusammen mit der Senkrechtigkeit der Räder selbst: Das Objekt scheint nicht für die Ebene gedacht zu sein, sondern für unebenes, unregelmäßiges Gelände, wo der einzige Weg vorwärts darin besteht, sich schräg zu bewegen, sich zu neigen und Kurve für Kurve einen Boden zu bewältigen, der keinerlei Garantie für Horizontalität bietet.
Auf die Frage, ob dies eine Metapher sei, lautet die ehrlichste Antwort: wahrscheinlich ja, und sie funktioniert gerade deshalb, weil sie nicht explizit ausgesprochen wird. Cavenagos gesamte Forschung zum Thema Stütze und Bewegung hatte bisher – auch wenn er dies ironisch leugnete – die Existenz einer ebenen Straße, eines stabilen Bodens vorausgesetzt, auf dem sich das Paradoxon entfalten konnte. „Fuori squadra“ scheint einen Wendepunkt zu markieren: Hier wird nicht mehr die Stabilität des Bodens durch die Räder in Frage gestellt, sondern die Möglichkeit eines stabilen Bodens wird von vornherein ausgeschlossen. Die Räder versprechen keine bequeme Flucht mehr in andere Gefilde, wie bei den Berliner Säulen oder dem kleinen 4WD im Taschenformat: sie versprechen lediglich ein Abenteuer auf unnachgiebigem Terrain, wo jedes Vorankommen eine ständige, instabile Winkelanpassung erfordert – dieselbe Situation, möchte man sagen, wie die eines Menschen, der noch immer nach einem sicheren Fundament sucht, nachdem er in allen vorherigen Werken entdeckt hat, dass das Fundament immer eine Illusion war.
L.B., 2020
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago