Nicht in der Altstadt, nicht in einem monumentalen Raum, sondern auf einem Spielplatz.
Die erste dauerhafte Installation des Projekts wird 2023 in der Grünanlage des neuen Kindergartens von Molino Nuovo in Lugano aufgestellt.
Das Werk besteht aus einem gebauten Findling aus Cortenstahl mit zwei Metern sechzig Seitenlänge und aus einer Reihe von Felsblöcken aus verschiedenen Tessiner Baustellen, die zu einer kleinen künstlichen Landschaft neu angeordnet wurden.
Die Wahl des Ortes erscheint zunächst unerwartet. Weniger, wenn man das Kriterium des vorigen Kapitels anwendet. Ein Findling braucht einen Ort, der eine gewisse Menge Fremdheit aufnehmen kann, ohne sie auszustossen und ohne sie zu normalisieren. Ein Spielplatz ist einer der wenigen öffentlichen Orte, an denen ein Gegenstand, der sich nicht erklärt, kein Problem darstellt. Niemand fragt, wozu er dient. Man geht hinein. Die Kinder entdecken beim Benutzen, wofür dieser Weg sechzehn Kapitel braucht.
Dann gibt es die andere Hälfte des Werks, die nicht gebaut wurde. Die Felsblöcke, die das Stahlelement umgeben, sind trovanti: Gesteine, die bei Aushubarbeiten in verschiedenen Jahren im Tessin zutage gekommen sind. Jemand hat sie ausgegraben, jemand hat sie aufgeladen, jemand hat sie hier abgesetzt. Sie sind auf einem Lastwagen nach Lugano gekommen. Es ist genau der Vorgang von Staffelbach, ohne ein Gesetz, das ihn vorschrieb, und ohne monumentale Absicht. Der Gletscher, ersetzt durch eine Baggerschaufel und eine Ladefläche, ein zweites Mal.
Mit einem Unterschied, der zählt. In Staffelbach musste der Felsblock nahe am Fundort bleiben, weil er nur dort die Kraft des Gletschers beweist: Ihn zu entfernen hätte ihn zum Schmuckstück gemacht.
Diese trovanti hingegen stammen von verschiedenen Orten und wurden zusammengeführt.
Sie haben ihren Wert als Beweis verloren und etwas anderes gewonnen.
Sie bezeugen keinen Gletscher mehr: Sie bauen eine Umgebung.
In dieser Umgebung wird ein Vergleich möglich, den es anderswo nicht gibt.
Ein gefundener und ein entworfener Felsblock, auf derselben Ebene, im selben Massstab, unter demselben Licht. Sie haben dieselbe Grammatik, breite Ebenen, scharfe Kanten, keine rechten Winkel, und sind aus zwei Geschichten hervorgegangen, die nichts gemeinsam haben.
Wer hinschaut, braucht keine Erklärung. Es genügt, um beide herumzugehen. Und nur einer der beiden lässt sich öffnen.
Das Element aus Cortenstahl hat keine Masse: Ihm fehlt eine Fläche, und dort tritt man ein.
Von innen schaut man durch Schlitze hinaus, die die Verteidigungsanlagen des Tessins wiederholen, die in den Fels gegrabenen Beobachtungsposten, die getarnten Schiessstellungen. Das Kämpferische der Bildwelt bleibt, gebannt dadurch, dass drinnen Kinder spielen.
Ein Findling ist etwas, das herabkommt. Dieser ist in der Stadt angekommen, zweihundertsiebzig Meter über Meer, am Talgrund. Der nächste steigt wieder hinauf.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago