Beim herkömmlichen Marmorblock nimmt man weg, indem man die Materie mit einem geeigneten Werkzeug behaut oder abträgt. Mit Bohrern, Meisseln und Hämmern wird die Materie nach und nach entfernt, bis die Figur hervortritt. Es war die bevorzugte Technik Michelangelos.
Das abtragende Verfahren hat eine Eigenschaft, über die nie gesprochen wird, weil sie selbstverständlich scheint. Es ist endgültig.
Was abgetragen wurde, kommt nicht zurück. Jeder Schlag verkleinert die Menge der noch möglichen Formen, und die Bildhauerei schreitet durch aufeinanderfolgende Ausschlüsse fort, bis nur noch eine einzige Figur bleibt. Das Können besteht darin, keinen Fehler zu machen, denn es gibt keine Möglichkeit, etwas wieder hinzuzufügen.
Lässt sich der Vorgang der Bildhauerei rückwärts durchlaufen?
Lässt sich die Entstehung der Form, nachdem sie stattgefunden hat, umkehren, indem man den Block in seinen Ausgangszustand zurückversetzt?
Sechzig Zentimeter Seitenlänge, Cortenstahl und Magnete. Die Magnete sind die Antwort. Sie halten die Teile zusammen, ohne sie zu verbinden: Es gibt keine Schweissnaht, keinen Leim, keine Schraube. Die Kraft, die den Körper aufrecht hält, ist dieselbe, die seine Zerlegung erlaubt. Zusammenhalt und Auflösung sind keine entgegengesetzten Momente, sie sind dieselbe Eigenschaft, in zwei Richtungen betrachtet.
Der Felsblock kann gebaut, aufgelöst, anders wieder aufgebaut werden.
Es gibt keinen Schlag mehr, der nicht danebengehen darf. Und das, was wie eine technische Freiheit aussieht, ist in Wahrheit eine Aussage über das Wesen des Steins.
Denn nicht einmal ein wirklicher Felsblock ist für immer. Ein Block hält, solange er hält. Die Flächen, entlang derer er brechen kann, sind in ihm schon vorhanden, unsichtbar, lange bevor er bricht: Der Bruch ist kein Zwischenfall, der hinzukommt, er ist eine Eigenschaft, die da war und wartet. Die Zeit fügt nichts hinzu, sie macht nur sichtbar, was schon in der Masse geschrieben stand.
Erratico reversibile nimmt diese Flächen und entwirft sie. Die Ebenen, entlang derer sich der Körper trennt, sind nicht mehr der Struktur des Materials und zehntausend Jahren Frost überlassen: Sie sind festgelegt, und der Augenblick, in dem sie wirken, steht dem zur Verfügung, der ihn berührt. Daraus entsteht ein Gegenstand mit einer Eigenschaft, die Skulpturen nie hatten.
Er ist nicht fertig.
Jeder seiner Zustände ist so vorläufig wie der vorherige. Es gibt keine endgültige Fassung, die zu bewahren wäre, und auch kein Original, das von den folgenden zu unterscheiden wäre: Es gibt eine Gesamtheit von Teilen und die Anordnungen, die sie zulassen.
Es bleibt eine letzte Folge, und sie eröffnet das Folgende.
Eine Form, die sich zerlegen lässt, ist eine Form, die sich transportieren lässt.
Und etwas, das man transportiert, muss früher oder später irgendwohin gestellt werden.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago