Cavenago beginnt 2018, seine Findlinge zu bauen, doch die Frage, die diese Arbeit stellt, hat eine längere Geschichte. In den Jahrzehnten zuvor hatten einige Künstler bereits einen Felsblock genommen und in Bewegung gesetzt: indem sie ihn kopierten, pflanzten, fallen liessen, reisen liessen. Sie sind weder Vorbilder noch direkte Vorläufer. Sie sind Weggefährten.
1981 behaut Giuseppe Penone mit Essere fiume einen Stein, bis er dem vom Fluss geschliffenen gleicht: Einen Stein zu kopieren heisst, die Arbeit des Wassers zu wiederholen (siehe 10. Wiederholung und Differenz).
1982 lässt Joseph Beuys an der documenta 7 vor dem Fridericianum in Kassel siebentausend Basaltsäulen aufschichten. Jeder Stein wird neben eine junge Eiche gesetzt werden, und der Haufen wird nach und nach verschwinden, während sich die Stadt mit Bäumen füllt. Der Felsblock bleibt nicht: Er verbraucht sich in der Zeit.
2007 lässt Jimmie Durham mit einem Kran einen grossen vulkanischen Felsblock auf ein Auto fallen. Der Felsblock wird wieder zu dem, was er im Fresko vom Morgarten war: eine fallende Masse.
2012 lässt Michael Heizer einen Felsblock von 340 Tonnen elf Nächte lang vom Steinbruch bis zum Museum in Los Angeles reisen. Entlang der Strassen versammeln sich die Leute, um ihn vorbeiziehen zu sehen. Der Gletscher wird durch einen Konvoi ersetzt, und die Reise wird Teil des Werks.
Der gebaute Findling geht einen anderen Schritt. Cavenago kopiert keinen Stein, verbraucht ihn nicht, lässt ihn nicht fallen, transportiert ihn nicht: Er baut ihn. Er geht vom Würfel aus und überlässt dessen Verwandlung in einen Felsblock dem Zufall.
Mit Souvenir di montagna öffnet sich der Felsblock. Seiner Masse entleert, wird er zum Unterschlupf, beinahe zum Bunker: ein Ort, den man betritt und von dem aus man die Landschaft durch die Schlitze betrachtet. Der Stein, der für die anderen ein Gegenstand zum Anschauen, Versetzen oder Verbrauchen blieb, lässt sich hier bewohnen.
Es sind erratische Verwandtschaften: Sie teilen eine Frage, nicht eine Antwort.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago