Eine Skulptur oder eine Architektur, vielleicht ein Boot?
Die Flusslandschaft des Po galt stets als Grenzgebiet, bei dem sich die verschiedenen Institutionen gegenseitig die Verantwortung zuschoben.
Die Wasserverschmutzung, der Bodenverbrauch und die Abgrabungen im Flussbett bis in die 1970er-Jahre haben einen Teil ihrer Eigenschaften beeinträchtigt und das hydrogeologische Risiko sowie die Zerstückelung der natürlichen Lebensräume verstärkt.
Jeder Eingriff, welcher Art auch immer, muss in einem solchen Kontext die tatsächliche Lage berücksichtigen und trägt die Verantwortung, in einen Dialog mit der gegebenen Wirklichkeit zu treten.
Die ursprüngliche Idee war, eine Erweiterung des Museums zu schaffen, einen regelrechten kulturellen Aussenposten in einem unwirtlichen Gebiet: eine ortsspezifische Installation im Uferstreifen zwischen Uferkante und Hauptdamm. Die Installation könnte so im Boden verankert werden, dass sie bei den häufigen Überschwemmungen der Flussaue aufschwimmen und der Strömung des Flusses folgen kann. Wie die Hausboote, die auf alten, am Damm vertäuten Betonkähnen gebaut wurden, könnte diese Installation eine Funktion haben.
Ein amphibischer Raum
So wird Sweet Home zu einem regelrechten Behälter von Geschichten, der das Erbe von Leben und Erinnerungen aufnehmen und zugleich Motor für Wandel und Zukunft sein kann – im Rahmen einer umfassenderen Praxis des Erinnerns, die jene unmittelbar einbeziehen will, die diese Orte besuchen werden.
Sweet Home versteht sich daher nicht als blosse Installation, sondern wird zu einer ausgelagerten Zweigstelle des Museo del Premio Suzzara: ein amphibischer Raum wie die Flussaue, in der es aufgestellt wird, der wechselweise eine begehbare architektonische Nische, eine kleine Bühne für performative Aktionen, ein Ausstellungsraum oder eine experimentelle Werkstatt für Kunstvermittlung sein kann …
Modell und Ausführung werden sich in diesem Grenzraum am Flussufer gegenüberstehen, der zugleich so dicht von Leben erfüllt ist. Sweet Home will keine blosse Nachbildung eines Bootes oder eines Hauses sein, sondern versteht sich als antimonumentales Werk, das in eine direkte und sehr enge Beziehung zum Leben der Menschen vor Ort tritt. Es erscheint als ein Restobjekt, das die jüngsten Umwälzungen der heutigen Gesellschaft und ihrer Lebensmodelle überdauert hat, sich als Zufluchtsort abzeichnet und viele Fragen zur Beziehung des Flusses zum Leben selbst, zur Geschichte und zur Erinnerung aufwirft.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago