1891, zum sechshundertsten Jahrestag der Eidgenossenschaft, malte Ferdinand Wagner die Schlacht am Morgarten an die Fassade des Rathauses von Schwyz. Die Quellen zu jenem Zusammenstoss von 1315 sind spärlich und zum Teil biblischen Erzählungen nachgebildet; die auf die Ritter hinabgerollten Felsblöcke gehören eher der Überlieferung als der belegten Geschichte an. Morgarten ist vor allem zu einem Gründungsmythos geworden.
Gerade das macht das Fresko interessant. In der Mitte des Bildes stehen keine Menschen. Es sind Felsblöcke. Sie sind nicht im Hintergrund. Sie vervollständigen die Szene nicht. Sie fallen. Sie halten den Vormarsch auf. Sie haben Gewicht und Richtung.
Um diese Wirkung zu erzielen, muss Wagner zuerst ein technisches und erst dann ein erzählerisches Problem lösen: wie man einen Felsblock malt, damit der Betrachter ihn als solchen erkennt.
Unregelmässigkeit scheint nicht zu genügen. Ein unregelmässiger Fleck ist noch kein Stein.
Vielleicht braucht es eine Folge von Ebenen, scharfe Kanten, Winkel, die nie rechte Winkel sind. Die Form, unbeweglich auf der Wand, muss den Eindruck erwecken, sie könnte rollen.
Um den Zufall glaubwürdig zu machen, muss der Maler ihn gewissermassen konstruieren: entscheiden, wie viele Ebenen, mit welcher Neigung, in welchem Verhältnis.
Jahrzehnte später nimmt sich Apollonio Pessina in Giornico desselben Problems in der Bildhauerei an, mit einem Granitblock. Mit Erratico accidentale versucht Cavenago eine andere Strategie: Eine einfache Regel, achtmal wiederholt, überlässt die endgültige Form dem Zufall.
Das Fresko von Schwyz legt nahe, dass der Felsblock, bevor er ein Ding ist, auch eine visuelle Konvention ist: etwas, das wir erkennen, weil jemand festgelegt hat, wie man ihn darstellt.
Und wenn der Felsblock eine Konvention ist, lässt er sich dann bauen?
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago