Der Ursprung von Souvenir di montagna fällt mit einer der einfachsten Figuren der Geometrie zusammen: dem regelmässigen Hexaeder.
Der Würfel. Sechs quadratische Flächen, zwölf Kanten, acht Ecken. Keine Hierarchie zwischen den Teilen. Keine bevorzugte Richtung. Keine Mehrdeutigkeit.
Der Würfel gehört in den Bereich des Masses. Er ist eine vollständig beschreibbare Form: Jede seiner Abmessungen kann bestimmt, überprüft und reproduziert werden. Seine Struktur lässt keinen Raum für das Unvorhergesehene. Deshalb ist er der ideale Ausgangspunkt.
Der Bau des Findlings beginnt nicht mit der Beobachtung eines wirklichen Steins. Er geht nicht durch Nachahmung vor. Er versucht nicht, eine bestehende Form wiederzugeben.
Er geht durch Wegnahme vor. Die acht Ecken des Würfels werden eine nach der anderen mit sauberen, zufälligen Schnitten abgetrennt. Die Form gerät aus dem Gleichgewicht. Aus sechs Flächen werden vierzehn. Alle rechten Winkel werden aufgehoben.
Was bleibt, ist ein unregelmässiges Polyeder mit vervielfachten Auflageflächen, das sich besser bewegen lässt als der Würfel, aus dem es stammt.
Das Ergebnis gleicht einem Stein nicht, weil es von einem Stein abgeschaut wurde. Es gleicht ihm, weil es dieselbe Art von Vorgang durchlaufen hat. Und die Veränderung betrifft nicht nur die Form. Sie betrifft die Art, wie sich die Form betrachten lässt.
Die regelmässigen Körper, Würfel, Oktaeder, Dodekaeder, besitzen vielfache Symmetrien. Dreht man sie, sind viele ihrer Lagen gleichwertig: Eine Fläche gleicht der anderen, ein Winkel gilt so viel wie der nächste. Sie haben Symmetrieachsen und Spiegelebenen. Aus welcher Richtung man sie auch betrachtet, sie ergeben eine erkennbare und vorhersehbare Anordnung. Ihre visuelle Identität ändert sich nicht mit dem Standpunkt. Es sind Formen, die sich in sich selbst schliessen.
Ein unregelmässiges Polyeder verhält sich anders. Seine Flächen sind einander nicht gleich: Sie unterscheiden sich in Grösse, Neigung und Zahl der Seiten. Jede Drehung erzeugt eine andere Silhouette, eine Verbindung von Kanten und Ebenen, die sich nicht wiederholt. Es gibt keine bevorzugte Lage, aus der die Form vollständig oder endgültig erscheint. Sie hat keine Vorderseite, keine Rückseite, keine kanonische Ansicht. Jede Verschiebung des Blicks, oder des Gegenstands, enthüllt eine neue Anordnung.
Das Verfahren legt fest, wie man baut. Es sagt noch nicht, wie gross es sein soll.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago