Der Gletscher trägt ihn. Der Gletscher zieht sich zurück. Der Stein bleibt.
Seine Gegenwart verändert die Landschaft, die ihn aufnimmt, doch zugleich wird er vom neuen Zusammenhang verwandelt. Ein Felsblock ist nicht nur, was er ist. Er ist auch der Ort, an dem er liegt.
Dasselbe Prinzip gilt für Souvenir di montagna. Das Werk entsteht aus einem genauen Bauverfahren. Es besitzt eine eigene Form, eine eigene Geometrie und eine eigene Identität. Doch keines dieser Merkmale genügt, um seine Bedeutung vollständig zu bestimmen. Den Rest besorgt der Ort.
Dasselbe Polyeder, mit denselben Flächen und demselben Kaliber, ist nicht dasselbe auf einer Wiese neben einem Kindergarten, auf einem Alpenpass oder in einem Ausstellungsraum. Nicht weil sich der Gegenstand ändert, sondern weil sich ändert, was der Gegenstand unterbricht.
Und hier ist die Regel des Findlings anspruchsvoller, als es scheint. Ein Findling ist per Definition fehl am Platz: Er teilt nicht die Materie des Bodens, der ihn beherbergt, und gehört nicht zur geologischen Geschichte der Stelle, an der er liegen geblieben ist. Seine Augenfälligkeit rührt von dieser Unstimmigkeit her. Ein Findling, der vollkommen mit seiner Umgebung übereinstimmt, ist nicht mehr als Findling lesbar: Er wird zu Felsaufschluss, Möblierung, Dekoration.
Den Ort zu wählen ist also keine Frage der Komposition. Man sucht nicht die Stelle, an der der Gegenstand gut aussieht. Man sucht die Stelle, an der der Gegenstand fremd genug bleibt, um gesehen zu werden, und nicht so fremd, dass er abgelehnt wird. Es ist ein schwieriges Mass, und es gibt keine Methode. Es hängt davon ab, wie viel Fremdheit ein Ort aufnehmen kann, ohne sie auszustossen und ohne sie zu verschlucken.
Eine Tatsache bleibt, und sie betrifft alle Felsblöcke dieser Geschichte. Mehr als zwanzigtausend Jahre lang hat niemand gewählt, wohin sie kommen.
Dann hat jemand damit angefangen.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago