Das Denkmal von Giornico sagt das Gegenteil.
Ein Krieger aus Granit stösst einen Felsblock. Die Geste ist einen Augenblick vor dem Loslassen festgehalten: Der Körper ist gespannt, der Stein noch unbeweglich, aber im Begriff aufzubrechen.
Das Denkmal feiert keinen Felsen. Es feiert einen Wurf.
Es erinnert an den 28. Dezember 1478, als die Männer der Leventina und die Eidgenossen das Heer des Herzogtums Mailand besiegten, der Überlieferung nach, indem sie Felsblöcke den Hang hinabrollten. Die Schlacht ist nach den Steinen benannt, nicht nach den Menschen.
Der Wettbewerb wurde 1929 ausgeschrieben; im Januar 1930 wählte die Jury unter fünfunddreissig Eingaben den Entwurf Pessinas, und erst nach vielen Wechselfällen konnte das Denkmal gebaut werden. Es wurde am 1. August 1937 eingeweiht: acht Jahre nach der Ausschreibung.
Hier tut der Felsblock einen entscheidenden Schritt.
Vom gemalten Bild wird er zur gehauenen Masse. Er hat wirkliches Gewicht, nimmt wirklichen Raum ein, man kann um ihn herumgehen.
Aber er bleibt eine Darstellung: ein Granitblock, der einen Felsblock darstellt.
Und vor allem ist er ein in der Bewegung angehaltener Felsblock.
Wagner hatte den Fall gemalt. Pessina meisselt den Augenblick davor, den Moment, in dem der Stein noch unbeweglich und schon unterwegs ist. Zwei Arten, dasselbe Problem zu lösen: wie man Bewegung in einem Gegenstand darstellt, der sich per Definition nicht bewegt.
Auch hier ist der Felsblock kein Beiwerk. Er ist kein Detail der Landschaft. Er ist der erzeugende Kern des Werks.
Der Stein zählt nicht nur durch die Form, die er hat, sondern durch die Möglichkeiten, die er enthält. Er kann Hindernis, Waffe, Zeichen, Unterschlupf sein. Er kann zugleich der Geologie und der Geschichte angehören. Das ist die Doppeldeutigkeit, die der Felsblock immer mit sich trägt: eine scheinbar unbewegliche Präsenz, die von einer Bewegung erzählt, eine Masse, die die Erinnerung an eine Ortsveränderung bewahrt.
In Giornico wird dieser Zustand durch ein historisches Ereignis sichtbar. Der Felsblock hört auf, Hintergrund zu sein.
Souvenir di montagna greift denselben Zustand auf und nimmt alles andere weg. Kein Krieger, keine Schlacht, keine Geschichte. Ein Polyeder, das auf einer Fläche ruht, scheinbar bereit zu rollen. Bewegung nicht als Episode, sondern als möglicher Zustand.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago