Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Felsen.
Felsvorsprünge.
Kleine Bergsporne.
Findlinge.
Bei näherem Hinsehen zeigen sie Öffnungen, Schlitze, getarnte Türen, bauliche Details.
Es sind Bunker.
An der Strasse, die zum Albulapass hinaufführt, verschmilzt eine künstliche Wand mit dem alpinen Hintergrund. Die Strasse führt ganz nah daran vorbei, fast ohne dass es jemand bemerkt. Es ist keine getreue Kopie: Es ist eine glaubhafte Konstruktion, von der Landschaft angenommen. Von weitem Stein, von nahem Architektur.
Hier tut der Felsblock seinen letzten Schritt.
Er ist nicht mehr gemalt oder gemeisselt. Er ist gebaut, und gebaut, um geglaubt zu werden. Die Ähnlichkeit dient nicht der Betrachtung: Sie dient dem Überleben. Das Werk muss einen feindlichen Blick täuschen.
Dabei ist festzuhalten, dass diese Mimesis nicht realistisch ist.
Keine dieser Strukturen gibt einen bestehenden Felsen wieder. Sie geben die Idee des Felsens wieder — dieselbe Konvention, die Wagner an der Fassade in Schwyz festgehalten und Pessina in Giornico gemeisselt hatte. Der Bunker funktioniert, weil er nutzt, was wir bereits darüber wissen, wie ein Stein beschaffen ist.
Er ahmt nicht die Natur nach.
Er ahmt unser Bild der Natur nach.
Das ist das Prinzip, das Souvenir di montagna bewegt, mit umgekehrtem Vorzeichen. Nicht zwischen Felsen und Entwurf wählen, sondern den Abstand bewohnen, der sie verbindet.
Doch wo sich der Bunker tarnt, um nicht gesehen zu werden, gibt sich das Werk zu erkennen: Es zeigt die Schweissnähte, die Stärke des Stahlblechs, den Hohlraum.
Der Bunker ahmt den Felsen nach, um zu verschwinden. Der gebaute Findling ahmt den Felsen nach, um zu zeigen, dass er gebaut ist.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago