Auch wenn er schützt, unterbricht er den Kontakt mit seiner Umgebung nicht ganz. Er behält eine Öffnung. Einen Durchlass für das Licht, für die Luft, für den Blick.
Beim Findling übernehmen die Schlitze diese Aufgabe.
Auf den ersten Blick erscheinen sie als einfache Einschnitte in der Oberfläche der Masse. Saubere Schnitte, die die Kontinuität der Wände unterbrechen. Geometrische Zeichen in einer Form, die an die Zufälligkeit des Steins erinnert.
Bei näherem Hinsehen zeigen sie jedoch eine andere Natur. Die Schlitze dienen nicht nur dazu, Innen und Aussen miteinander zu verbinden. Sie dienen dazu, einen Blick zu konstruieren. Ein Schlitz zeigt die Landschaft nicht: Er löst ein Stück aus ihr heraus und schliesst alles andere aus. Wer hinschaut, wählt nicht, was er sieht. Das hat gewählt, wer die Öffnung geschnitten hat.
Und der Schnitt ist asymmetrisch. Die Laibung weitet sich nach innen: Von innen ist das Blickfeld weit, von aussen ist die Öffnung ein Spalt. Wer drinnen ist, sieht viel und wird wenig gesehen.
Die geschrägten Schiessscharten entstehen in den mittelalterlichen Befestigungen als schmale, senkrechte Öffnungen für Bogen und Armbrust; mit dem Aufkommen der Feuerwaffen werden sie zu Geschützscharten.
In dieser Asymmetrie liegt der ganze militärische Sinn der Scharte. Sie dient dazu zu treffen, ohne getroffen zu werden. Die Landschaft, von dort aus betrachtet, ist kein Panorama: Sie ist ein Schussfeld.
Beim Findling bleibt die Vorrichtung gleich, und die Absicht wird weggenommen. Dieselben Proportionen, dieselbe Laibung, dieselbe Auswahl des Blicks — und nichts zu treffen. Durch die Öffnung treten das Tal, das Licht, das Rauschen des Wassers ein.
Es ist weder eine Anklage gegen die Militärarchitektur noch ihre Verherrlichung. Es ist eine Entnahme. Die alpine Schweiz ist ein Gebiet, das ein Jahrhundert lang seine eigenen Berge durch Spalten betrachtet hat: in den Fels gegrabene Beobachtungsposten, getarnte Schiessstellungen, Festungen zum Schutz der Pässe, vom Tessin bis nach Graubünden. Diese Art zu schauen gibt es, und sie steht zur Verfügung.
Man muss nur den Feind wegnehmen, und es bleibt eine Art zu sehen. Doch um das zu bemerken, muss man hineingehen.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago