Eine geflügelte Gestalt, mit Wasserpflanzen bekränzt, sitzt regungslos da, das Kinn auf die geballte Faust gestützt, die überlieferte Haltung der Trägheit und der melancholischen Betrachtung. Um sie herum liegen die Werkzeuge der mechanischen Künste und der Geometrie: Winkel, Hobel, Säge, Hammer, Zange, Nägel, ein Zirkel, eine Sanduhr, eine Waage, eine Glocke, ein Tintenfass. Ein Putto schreibt auf eine Tafel. Im Vordergrund eine Kugel und ein schlafender Hund; im Hintergrund das Meer und ein Regenbogen, den ein Komet durchquert. Oben rechts das berühmte magische Quadrat der Ordnung 4, dessen Zeilen, Spalten und Diagonalen alle die Summe 34 ergeben; die beiden mittleren Felder der untersten Zeile tragen die Zahlen 15 und 14, das Entstehungsjahr des Werks.
Der geometrische Protagonist ist das unregelmässige Polyeder auf der linken Seite: ein Körper mit acht Flächen. Er ist weder Schmuck noch Hintergrund: Er nimmt einen bedeutenden Teil der Komposition ein und ist mit derselben optischen Genauigkeit wiedergegeben wie die Messinstrumente.
Dürers Körper ist nicht von Anfang an unregelmässig. Die Forschung beschreibt ihn als Rhomboeder, einen entlang der Diagonale verzerrten Würfel, dem zwei gegenüberliegende Ecken abgeschnitten wurden: sechs fünfeckige Flächen, zwei dreieckige. Eine regelmässige Form, durch einen Abschnitt korrigiert.
Es ist dieselbe Geste, aus der der Findling entsteht. Dürer schneidet zwei Ecken ab, das Verfahren von Souvenir di montagna schneidet alle acht ab. Dort ist der Schnitt berechnet. Hier entscheidet ihn der Zufall.
Im Stich steht das Polyeder neben einer Gestalt, die denkt und nicht handelt, umgeben von Werkzeugen, die sie nicht benutzt. Viele haben darin die Melancholie der Geometrie gelesen: den Verdacht, dass das Mass nicht genügt, um die vollkommene Form zu erreichen.
Der gebaute Findling setzt an diesem Punkt an. Er sucht nicht mehr die vollkommene Form. Er nimmt hin, dass das Mass einen Stein hervorbringt.
Übersetzung: Archivio Umberto Cavenago